„Ich war der Spion des Kaisers“
GUSTAV STEINHAUER (1870-1930)
Wunderkammer Verlag , Edition Flaschenpost, Neu-Isenburg, 2009; 12,95 €
Wer sich für Spionage- und Geheimdienstgeschichten vor und während
des 1. Weltkrieges interessiert, kommt bei den Memoiren des Chefs des deutschen Auslandsgeheimdienstes
Gustav Steinhauer (1870-1930, “the Kaiser’s masterspy”) auf seine Kosten. In Steinhauers
im Jahre 2009 neu aufgelegten Erinnerungen erfährt man in - nicht streng chronologisch geordnetem Ablauf - von den Aktivitäten der deutschen Spionage und der jeweiligen Gegenspionage der späteren Kriegsgegner Frankreich, Rußland und England. Letztere erkannten nach Steinhauer in viel größerem Maße das Potential effektiver Spionage und wandten ungleich mehr finanzielle Ressourcen auf, um an die politischen und militärischen Geheimnisse der Gegenseite zu kommen.
Steinhauer war vor seiner Tätigkeit als Geheimdienstler von 1894-1907 Mitglied des persönlichen Sicherheitsdienstes Wilhelms II. und kann daher aus nächster Nähe so manche Anekdote und kritische Anmerkung über die Person des Kaisers und dessen Hofstaat (Fürst Eulenburg etc.) zum Besten geben. Egal ob Nordlandfahrten, Besuche in England oder Konstantinopel, dem Autor gelingt es dank seines lebendigen und anschaulichen Erzählstils, dem Leser seine bewegte Dienstzeit eindrucksvoll vor Augen zu führen.
Mehr Infos
Jetzt bei Amazon kaufenSteinhauer, dessen militärische Laufbahn in der Marine begann, kann als Sicherheitsbeamter aus ungewohnter Perspektive berichten:
“Ich hatte Gelegenheit, den Kaiser in allen Phasen seines Lebens kennenzulernen. In der Jugend und im Alter. Er hatte stets das Bestreben, große innere Bewegungen vor den Augen anderer zu verbergen, vielleicht eingenommen von dem Gedanken, daß einen Kaiser nichts rühren, er es wenigstens nicht zeigen dürfe.“
(S.39)
Fazit
Spannend geschriebener historischer Tatsachenbericht!
– Wolfgang Müller
