Bremen, 22. März 1905
Wilhelm ii.: „Meine Vorstellung eines Weltreiches“

Meine Vorstellung eines Weltreiches

„Ich habe mir gelobt, auf Grund meiner Erfahrungen aus der Geschichte, niemals nach einer öden Weltherrschaft zu streben, denn, was ist aus den großen sogenannten Weltreichen geworden? Alexander, Napoléon I., alle die großen Kriegshelden, im Blute haben sie geschwommen und unterjochte Völker zurückgelassen, die beim ersten Augenblick wieder aufgestanden sind und ihre Reiche zum Zerfall gebracht haben.

Das Weltreich, das ich mir erträumt habe, soll darin bestehen, daß vor allem das neuerschaffene Deutsche Reich von allen Seiten das absoluteste Vertrauen als eines ruhigen, ehrlichen, friedlichen Nachbarn genießen soll, und daß, wenn man dereinst vielleicht von einem deutschen Weltreich oder von einer Hohenzollern-Weltherrschaft in der Geschichte reden sollte, sie nicht auf Eroberungen durch das Schwert begründet sein wird, sondern durch gegenseitiges Vertrauen der nach gleichen Zielen strebenden Nationen.“

Quelle: Joachim von Kürenberg: „War alles falsch? – Das Leben Kaiser Wilhelms II.“, 1951

Anläßlich einer Denkmalsenthüllung im Jahre 1905 in Bremen hielt Wilhelm II. eine Rede von höchster Bedeutung. Er erläuterte darin, daß er mit dem aufstrebenden Deutschen Reich zwar nach einer Rolle als Weltmacht strebe, erteilte aber allen kriegerischen Mitteln dazu eine klare Absage.

Vielmehr betonte er, daß eine deutsche Weltmacht nach seiner Vorstellung das „absolute Vertrauen“ der anderen Weltmächte (z.B. Großbritannien, USA) als „eines ruhigen, ehrlichen, friedliebenden Nachbarn“ genießen solle.

Das Streben nach einem deutschen Weltreich mag manchem heute als leichtfertige Hybris erscheinen, doch entsprach es längst den Tatsachen: Vor allem was Wirtschaft und Wissenschaft betraf, war Deutschland 1905 durch atemberaubendes Wachstum bereits eines der drei mächtigsten Länder der Erde geworden.

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