Der Beginn unserer Katastrophe
Dr. Karlheinz Weißmann
Wenn die ehemaligen Siegermächte des Ersten Weltkriegs den 11.
November feierlich begehen, so hat das seinen Grund nicht nur darin, daß man
am „Waffenstillstandstag“ oder „Tag des Sieges und des Friedens“ der
Gefallenen gedenken will, sondern auch darin, daß das Erinnerungsbild von
Briten und Franzosen ein anderes ist als das der Deutschen.
Um genau zu
sein: ein anderes war als das der Deutschen.
Denn hierzulande verliert sich im Zeichen gelungener Verwestlichung allmählich
das Bewußtsein, daß die Deutschen nichts zu feiern haben, wenn es um das
Datum 1918 geht, noch weniger, als im Hinblick auf das Datum 1945.
Das deutsche Unglück begann mit dem Jahr 1918,
weil die Politik der Sieger von Anfang an auf Irreführung beruhte und die deutsche auf Illusion,
Der 11. November 1918 beendete das Sterben an den Fronten im Westen, der Kampf im Osten dauerte an und wurde von deutschen Soldaten
getragen, die unter Befehl der Entente gegen bolschewistische Truppen zu fechten hatten, er begann neu in den Gebieten, die fremden
Herren ausgeliefert wurden, und an den inneren Fronten eines Bürgerkrieges, den die Sieger wesentlich mitverursacht hatten.
Zwischen dem Waffenstillstand und dem Inkrafttreten des Versailler Vertrags stand Deutschland unter der dauernden Drohung eines
alliierten Einmarschs, mußte mit schwächer werdenden Kräften Aufstands- und Separationsversuche abwehren, die mit fremdem Geld finanziert
wurden, und einen vollständigen Kollaps der inneren Ordnung verhindern. Das alles in dem Bewußtsein, daß die Sieger – so oder so – den
Vorwand deutscher Alleinkriegsschuld nutzen würden, um das Land wirtschaftlich auszubluten.
Ein Amerikaner, der Ölmagnat Paul Getty, hat
geurteilt: Der Vertrag von Versailles „war rachsüchtig, er legte Deutschland unbezahlbare Reparationen auf, der dümmste Student der
Wirtschaftswissenschaften sah sogleich, daß eine nur notdürftig funktionierende deutsche Wirtschaft auf diese Weise total zerrüttet werden mußte. Die als Strafe gedachten Artikel dieses Vertrags mußten in Deutschland eine heftige nationalistische Reaktion in Gang setzen.
Ein
vernünftigerer und gerechterer Friede an Stelle des Vertrages von Versailles hätte zwischen 1919 und 1932 in Deutschland ein demokratisches
System befestigt.“
Fazit
Der 11. November mag Deutsche an eine nationale Katastrophe erinnern, auch an die erste Phase des „Dreißigjährigen Krieges“ zwischen 1914-1945. Zu feiern gibt es nichts. Wer das verkennt, hat – gegen jede Beteuerung – nichts verstanden vom Besonderen unserer Geschichte im 20. Jahrhundert.
(Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Netztagebuchs der Zeitschrift
Sezession)
