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Wolfgang Müller & Roland Siegert
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DerPhilosoph schrieb am 27.01.2012 um 12:22:
Alles gute zum Geburtstag WII!
Danke, dass Dir hier dieses Dankmal gesetzt wurde.
Wir Deutschen haben Dich nach den verlorenen Krieg nicht gut behandelt. Frust und auch viel fremde Schuld wurden auf Deinem Haupte abgeladen. Du hast diese schwere Last im Exil statt der Krone tragen müssen.
Dein Platz in der Geschichte ist ein anderer, als der, der Dir bis heute zugewiesen ist!
Diese Internetseite behandelt Dich fair. Ich behandle Dich fair und denke an Dich, mein Kaiser!
PS. Komme in 2012 wieder nach Doorn; versprochen!
... und mit den neuen deutschen Staatsoberhäuptern gewinnen wir auch keinen Blumentopf! ;-)
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sleuth schrieb am 27.01.2012 um 11:37:
Ja, genau: Alles Gute zum Geburtstag !!!
Und heute mehr denn je gilt für Deutschland: "Mehr Wilhelminismus wagen!"
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Björn H. Heß schrieb am 27.01.2012 um 07:59:
"Der Kaiser ist ein lieber Mann und wohnet in Berlin, und wär es nicht so weit von hier, so lief ich heut noch hin und was ich bei dem Kaiser wollt, ich reicht ihm meine Hand und reicht die schönsten Blumen ihm, die ich im Garten fand und sagte dann: "Aus treuer Lieb bring ich die Blumen dir", und dann lief ich geschwind hinfort und wär bald wieder hier." (Kindergedicht aus der Kaiserzeit)
Ein kräftiges und donnerndes: Hurra, Hurra, Hurra! auf den Geburtstag S.M. Kaiser Wilhelm II., König von Preußen!
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wilge schrieb am 12.01.2012 um 10:29:
Eine gelungene Web-Seite, die einige Dinge deutlich macht, die allgemein so nicht angesprochen werden.
Ich möchte eine Anmerkung zu der Aussage von R. Neeb machen, dass Bismarck 1878 (Berliner Kongreß) einen Fehler beging. In dieser Einfachheit ist dies sicherlich nicht richtig. 1878 lag der Krieg zwischen Preußen und Österreich erst 12 Jahre zurück und das deutsch-österreichische Verhältnis war keineswegs im Reinen (ein Zusammengehen Österreichs mit Frankreich war keineswegs ausgeschlossen). Eine zu enge Bindung an Rußland bedeutete daher eine Belastung der Beziehungen zu Österreich, so dass Deutschland sich auf Gedeih und Verderb allein an Rußland gebunden hätte, was den außenpolitischen Spielraum Deutschlands generell zu stark eingeschränkt hätte. Man muß eben immer auch sehen, was politisch machbar ist. 1881 wurde dann das Dreikaiserbündnis erneuert, was die außenpolitische Situation stabilisierte.
Die Entfremdung zwischen Deutschland und Rußland beruhte eher auf anderen Faktoren: Zum einen auf dem Panslawismus zum anderen auf politischen Strömungen in Deutschland, die dem Zarenreich durchaus feindselig gegenüber standen. So forderte z.B. 1886/87 forderte eine Koalition unterschiedlicher politischer Kräfte einen Präventivkrieg gegen Rußland, was Bismarck zu verhindern wusste. Ab einem bestimmten Zeitpunkt (Spätphase Bismarcks) war ein Bündnis mit Rußland politisch kaum noch durchsetzbar (obiges in Anlehnung an Lothar Gall: Bismarck der weiße Revolutionär).
Die Entfremdung zwischen Rußland und Deutschland war daher nicht so sehr Folge der deutschen Außenpolitik, sondern wurde letztlich von Faktoren bestimmt, die kaum zu beeinflussen waren. Insofern relativiert sich die Nichtverlängerung des Rückversicherungsvertrags dann doch um einiges. Insbesondere für die Sozialdemokratie war der Zar bzw. das despotische regierte Rußland ein rotes Tuch. Frankreich (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) hatte da keine Berührungsängste. Schon damals war in Deutschland Gefühlspolitik nicht unbekannt.
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RoBau schrieb am 28.12.2011 um 22:58:
eindrucksvoll!
Eine "Geschichte der großen Männer" oder kriegsbedingte Hetze sind natürlich überholt. Dennoch ist es okay, dass KW II eine faire Beurteilung zukommt.
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LULUI schrieb am 01.12.2011 um 19:21:
find die seite nicht sehr informativ paar infos nur aber auch gute
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J.Schwieder schrieb am 27.11.2011 um 20:41:
Nach dem Lesen vieler Bücher über den letzten Kaiser komme ich mehr und mehr zu der Erkenntnis, wie besonders dieser Monarch auch als Mensch gewesen sein muß, dass so viele Autoren, so unterschiedliche Bilder von ihm entwerfen.
Die Annäherung an Wilhelm II. ist s oft für eine Überraschung gut, sei es die Erkenntnis über die vewandtschaftlichen Beziehungen quer durch die euorpäischen Herrscherhäuser, persönliche "Schrullen" oder liebenswerte Annektoten erzählt von seiner Tochter aus der privaten Welt. Kaiser Wilhelm II. ist in seiner Gesamtheit schwer zu erfassen, es wäre wünschenswert, wenn die Öffentlichkeit sich mehr mit dieser Person deutscher Geschichte befassen würde, vielleicht ist die Zeit, 70 Jahre nach seinem Tod, ja reif dafür. Prinz Louis Ferdinand von Preußen hat die Abschaffung der Monarchie einmal als "historischen Betriebsunfall" bezeichnet.. ja - was wäre wenn. Allemal ist es gut zu wissen, dass unserem Kaiserhause das Schicksal der Romanows in Rußland erspart geblieben ist, und das mit dem Haus Doorn in den Niederlanden ein Ort besteht an dem man ganz nah Wilhelm II. auch als Mensch näher kommen kann. Besonders schade ist auch, dass die vormals so verehrte Kaiserin Auguste Viktoria fast völlig in Vergessenheit geraten ist.
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R. Neeb schrieb am 22.10.2011 um 12:31:
Zunächst möchte ich Ihnen meinen Dank hierfür aussprechen, dass Sie sich es zum Ziel gesetzt haben, eine wichtige Person unserer Geschichte zu rehabilitieren, die bisher den größten Verleumdungen ausgesetzt ist.
Wilhelm II. wird ja bis heute gerne als Sündenbock für alle Fehlentwicklungen der deutschen Geschichte des späten 19. und des frühen 20. Jahrhunderts hingestellt. Dabei wird leider überwiegend versäumt, ein umfassendes Bild des Monarchen darzustellen. Aber es ist ja viel leichter, eine Person als alleinigen Schuldigen darzustellen als sich die Mühe zu machen, die viel umfangreicheren Gründe für die Katastrophe des 1. Weltkrieges zu erforschen. Hätte Wilhelm II. den Weltkrieg gewonnen oder wäre er vor dem Ausbruch des Krieges gestorben, dann wäre sein Bild in der deutschen Geschichte schon viel günstiger.
Ich bin allerdings der Meinung, dass man jetzt nicht einseitig die Schuld bei den Großmächten Russland, England und Frankreich suchen sollte. Vielmehr lag die Tragödie der europäischen Mächte darin, dass sie zu wenig Vertrauen zueinander hatten, den eigenen imperialen Machtanspruch und die eigene Ehre zu sehr für sich beansprucht hatten und dafür einen großen Krieg in Kauf nahmen.
Wilhelm II. hatte ein schweres Erbe übernommen. Er übernahm ein Reich, das sich durch den deutsch-französischen Krieg schon von Anbeginn an einen unversöhnlichen Feind geschaffen hatte, nämlich Frankreich. Der Kaiser aber hatte immer wieder den Versuch unternommen, sich mit Frankreich auszusöhnen. Sein Wunsch, Paris zu besuchen, wurde ihm aber von Frankreich stets verwehrt. Der Preis einer Aussöhnung wäre freilich Elsaß-Lothringen gewesen. Aber hätte der deutsche Kaiser dieses Gebiet so einfach zurückgeben können? Abgesehen davon, dass solch eine Tat vom deutschen Volk nicht verstanden worden wäre, hätte es doch nicht genügt, Frankreich auszusöhnen, da es sich in seiner nationalen Ehre gekränkt sah. Die Kaiserproklamation in Versailles war ein wunder Punkt. So war es kein Wunder, dass die "Friedensverhandlungen" 1919 ebenfalls in Versailles stattfanden. Daher war es nicht die Schuld des letzten deutschen Kaisers, dass Frankreich ein unversöhnlicher Gegner blieb und in den Ersten Weltkrieg eintrat.
Oder nehmen wir Russland. Auch hier wurden Ereignisse für die deutsch-russischen Beziehungen, für die Entwicklung zum 1. Weltkrieg hin, ausschlaggebend, die vor der Regierungszeit Wilhelm II. lagen. Gewiß: Der Rückversicherungsvertrag hätte auch von Bismarcks Nachfolgern aufrechterhalten werden können. Es ist aber in der Tat so, dass das Zarenreich insgesamt enttäuscht von Deutschland war. Immerhin gab es in der frühen Bismarckzeit eine enge Zusammenarbeit zwischen Preußen und dem Zarenreich, die darin gipfelte, dass Russland sowohl 1866 wie auch 1870/71 neutral blieb. Als es aber dann zum russisch-türkischen Krieg im Jahr 1878 kam, erwartete Russland nun von Bismarck dieselbe Unterstützung. Hier aber beging Bismarck einen Fehler. Er trat als "ehrlicher Makler" auf, trat also nicht für Russland ein, sondern versuchte zwischen den Großmächten zu vermitteln. Auch wenn er damit den Frieden bewahrt hatte, führte es doch dazu, dass sich Russland von Deutschland getäuscht fühlte. Es glaubte immer weniger, dass eine weitere Zusammenarbeit mit Deutschland sinnvoll war. Die deutschen Diplomaten sahen diese Entwicklung und wiesen den jungen Wilhelm II. auf diese Entwicklung hin. Dies führte schließlich dazu, dass Wilhelm dem Rat seiner Berater folgte und 1890 den Rückversicherungsvertrag nicht mehr erneuerte. Er erkannte aber immer wieder im Laufe seiner Regierungszeit, dass gerade ein Bündnis mit Russland wichtig für Deutschland und auch den Bestand des monarchischen Staatssystem in Europa war. Er versuchte daher immer wieder mit Russland zusammenzukommen. Freilich leider ohne Erfolg.
Und England? Die Briten lehnten bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts jedes Bündnis ab. Erst kurz nach der Jahrhundertwende boten sie den Deutschen eines an. Freilich war dieses gegen Russland gerichtet. Daher war dies für Deutschland zu riskant.
Wilhelm II. liebte das Land seiner Mutter und verehrte seine Großmutter Queen Viktoria. Als er plante, eine große Flotte aufzubauen, schwang hiermit sicherlich auch der Wunsch mit, über eine ebenso prächtige Flotte wie die Engländer zu verfügen. Er selbst dachte ursprünglich freilich lediglich an eine Kreuzerflotte, die zum Schutz des deutschen Handels in Übersee dienen sollte. Tirpitz sollte dies umsetzen. Dieser aber überredete den Kaiser, diesen Gedanken fallen zu lassen und lieber eine Schlachtflotte aufzubauen, die zum
Schutz der deutschen Küsten eingesetzt werden sollte. Das führte zu dem verhängnisvollen Wettrüsten zwischen Deutschland und England. Wenn man dem Kaiser einen Vorwurf machen will, dann hier. Er hätte natürlich auf einen weiteren Flottenbau verzichten können. Ob allerdings damit eine englische Beteiligung am 1. Weltkrieg von vornherein ausgeschlossen wäre, wage ich zu bezweifeln.
England hätte alleine schon wegen seiner Politik der "Balance of power" zugunsten Frankreichs eingegriffen, da Deutschlands Macht auf dem Kontinent für England einfach zu groß gewesen wäre. Von daher ist es einfach nur ein Mythos, wenn man der Ansicht ist, dass der deutsche Flottenbau hauptsächlich die Ursache für den Kriegseintritt Englands gewesen wäre. Hinzu kam der Wirtschaftskampf beider Länder, der das deutsch-englische Verhältnis belastete. Aber hätte Deutschland aus diesem Grund seine Witschaftskraft einschränken sollen? Wohl nicht.
Wilhelm II. hat nachweislich versucht, den Krieg zu verhindern, sich sowohl mit England, wie auch mit Russland und Frankreich auszusöhnen. In den späteren Jahren aber gelangte er immer mehr zu der Erkentnis, dass dies nicht möglich war. Auch im Krieg hatte er versucht, mit den Alliierten in Verhandlungen zu treten.
Dennoch wird er in der deutschen Geschichte bis heute als der große Schuldige dargestellt. Und wenn man diese Quellen zitiert (z.B. den Briefwechsel mit dem Zaren im Juli 1914), so wird dem Kaiser gleich Scheinheiligkeit unterstellt. Ein trauriger Beleg dafür, wie schwer es in der heutigen Zeit ist, die Wahrheit über eine Person und deren Epoche zu vermitteln. Je mehr man aber über den Kaiser liest, desto mehr müßte man eigentlich zur Ansicht gelangen, dass er das beste für sein Land gewollt hat und auch mit seinen Nachbarn in Frieden leben wollte. Dass er gescheitert ist, ist tragisch.
Der Kaiser und Mensch Wilhelm II. interessiert mich sehr. Zumal er eine sehr wichtige Person in unserer neueren deutschen Geschichte ist. Seine Tragik und sein Untergang sind auch der Beginn des tragischen Unterganges Deutschlands im 20. Jahrhundert.
Ich habe Röhl gelesen und kam nicht zu demselben Ergebnis wie er. Trotzdem fand ich es gut, dass diese umfangreiche Biographie erschienen ist, allein schon, weil man durch diese sehr viel über den Kaiser erfährt und über die strittigen Punkte diskutieren kann. Was ich aber deutlich vermisst habe ist eine umfangreiche Darstellung der Jahre 1914-18. Gewiß, der Kaiser hatte nicht viel Einfluß auf das Kriegsgeschehen gehabt. Er besuchte lediglich die Front, machte Lazarettbesuche oder war zur Untätigkeit verdammt. Trotzdem finde ich es wichtig, den Kaiser auch in dieser dunkelsten Zeit seiner Herrschaft mit allen seinen Schwächen kennenzulernen. Hier zeigt sich vor allem der Mensch Wilhelm. Dem Kaiser wurde ja u.a. vorgeworfen, dass ihm das Leiden seiner Soldaten und der Bevölkerung vollkommen gleichgültig war. Dennoch gibt es Zitate von ihm, die andeuten, dass dies wohl nicht der Fall war. Zum Beispiel, als er gegenüber Ludendorff (oder Hindenburg) im Sommer 1918 die Ansicht vertreten hatte, dass "man dem Heer zuviel zugemutet habe", als dieses am Ende seiner Kraft war, was die Oberste Heeresleitung allerdings bestritt. Aber um hier zu einem Urteil zu gelangen, müßte man hierüber mehr erfahren. Ebenso sind für mich noch einige andere Dinge unklar:
Zum Beispiel Kaiser Wilhelms Haltung in den wichtigen Fragen des Krieges: Verdun, die Friedensverhandlungen im Jahre 1916, der U-Bootkrieg, die Revolutionierung Russlands, der Friede von Brest-Litowsk usw.
Daher meine Frage zum Schluß: Gibt es vielleicht eine Biographie über den Kaiser, die auch umfangreich die Kriegsjahre behandelt?
Schöne Grüße
R. Neeb
Kommentar der Autoren von wilhelm-der-zweite.de:
Herzlichen Dank für Ihren ausführlichen und wertvollen Kommentar!
Wir stimmen Ihnen in sehr vielen Punkten zu.
In der Tat war die außenpolitische Lage des Kaiserreichs sehr verfahren, die fatale Mittellage Deutschlands – fast ohne Rohstoffe und ohne natürliche Grenzen – die Achillessehne jeder militärischen Strategie. Der Schlieffenplan suchte folglich das Heil in der Offensive, um der Entklammerung/Einkreisung durch die Entente zu entkommen („Befreiungsschlag“).
Ob das von Ihnen erwähnte englische Bündnisangebot zu Beginn des 20. Jahrhunderts je ernsthaft und langfristig gemeint war, muß bezweifelt werden.
Auch wir wollen "nicht einseitig die Schuld" am Ausbruch des 1. Weltkrieges bei den anderen europäischen Staaten suchen. Genauso einseitig und daher abzulehnen ist freilich, Deutschland als Alleinschuldigen zu betrachten oder ihm zumindest die Hauptschuld zuzuweisen – wie es (noch) die vorherrschende Geschichtsdeutung ist.
Zu Ihrer Kritik am Kaiser bezügl. der Flottenrüstung: Der Marinehistoriker Dr. Becher hat in dem bei uns abrufbaren Essay eindrucksvoll nachgewiesen, daß die deutsche Flottenrüstung keine tatsächliche Bedrohung für die englische Flotte darstellte. Immer wieder betont werden muß auch, daß die Flottenrüstung extrem populär bei fast allen Deutschen war – schon Jahrzehnte, bevor Wilhelm II. Kaiser wurde. Wenn der Kaiser sie also forderte, erfüllte er nur den Willen seines Volkes. Auch hier wäre es billig, nachdrücklich alle „Schuld“ allein dem Kaiser aufzubürden.
Zu Ihrer Frage zur Literatur: Prof. Clarks Biographie über den Kaiser ist sehr zu empfehlen; auch die Kriegszeit wird darin ausführlich behandelt.
Straub geht darauf weniger ein, ist aber das ideale „Gegenmittel“ zu den Extremmeinungen von Prof. Röhl. Denn bei allem Lob für den Fleiß Röhls, diese enorme Masse an Quellen zusammengetragen zu haben: Er ignoriert gerne genau diejenigen, die seinen meist einseitigen Thesen widersprechen. Gerade die entscheidenden Anklagepunkte, z.B. als er Wilhelm II. als Quasi-Vorläufer Hitlers in Spiel bringt, kann Röhl nicht überzeugend durch stichhaltige Belege untermauern, und die Faktenlage ist erstaunlich dünn. Bei Röhl scheint es, als habe sein rein negatives Urteil über Wilhelm II. schon a priori bestanden, und alle Belege dienten nur noch zu dessen fast schon manisch betriebener Rechtfertigung. Man vermißt die neutrale Herangehensweise eines sachlichen Historikers, die anhand der Quellen und Fakten schließlich erst zu einem abwägenden Urteil kommt. Bei Röhl scheint es umgekehrt: Daß Wilhelm II. eine rein negative Figur sei, die sogar an den Rande des geistigen Wahnsinns gestellt wird, wird schon in den ersten Kapiteln von Röhls Kindheitsbiographie des Kaisers deutlich.
Gerade diese Einseitigkeit in Röhls Urteil über Wilhelm II. wird auch von Prof. Clark abgelehnt.
Antiquarisch erhältlich ist „War alles falsch?“ (1952) von Joachim von Kürenberg, ein Klassiker des Wilhelm II.-Revisionismus.
Wir sind optimistisch, daß die Entkriminalisierung der Kaiserzeit insgesamt weiter voranschreitet und vor allem jüngere Menschen vermehrt ein wahrheitsgetreueres Bild dieser Epoche gewinnen können – vielleicht auch durch dieses Internetangebot.
Weitere Verweise:
– Marinehistoriker Dr. Becher über die deutsche Flottenrüstung
– Dr. Lehnert über die oben erwähnten drei Biographien (Röhl, Clark, Straub)
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Andreas B. schrieb am 12.08.2011 um 17:20:
- Ist nicht die Außenpolitik unter Wilhelm II "Schuld" für die deutsche Niederlage im Weltkrieg? m.E. sind da schwere Fehler gemacht worden:
- Die Steigerung der Feindschaft zu England. (W II. mochte die Engländer - vermutlich aus persönlichen Gründen nicht). So goß er Wasser auf die Mühlen der Briten, die Deutschland seinen - auch kolonialen- Erfolg neideten. Deutschland war zu keinem Zeitpunkt in der Lage, seine Kolonien zu verteidigen. (Auch Lettow-Vorbeck führte eher einen Guerilla-Krieg, als daß er das Land feindfrei gehalten hätte.) Wäre da ein Festhalten am traditionellen Bündnis mit England gegen Frankreich nicht besser gewesen?
- Das Bündnis mit Österreich. Der Vielvölkerstaat mußte in der Zeit der erstarkenden Nationen und der Idee der Nation als Träger des Staates zerbrechen. Ihn zu unterstützen hieß mit ihm untergehen. Ein im österreichisch-russisch-serbischen Konflikt neutrales Deutschland hätte die ungerche Auteilung der Donaumonarchie verhindern können.
- im Krieg: Die Idee, einen gewissen Uljanow im verschlossenen Wagon nach Rußland zu schmuggeln, damit der dort eine Revolution anzettelt, und so den Gegner schwächt, ging zwar auf, brachte aber viel Elend über die Menschen vieler Nationen, auch über Deutschland.
Fazit: wenn Wilhelm II sicher auch ein aufrichtig meinender Mann war, ein guter Politiker war er nicht. Nicht alle Ereignisse der Geschichte kann man den Gegnern Deutschlands zuschreiben. Viele Fehler sind auch hausgemacht.
Kommentar der Autoren von wilhelm-der-zweite.de:
Vielen Dank für Ihren Beitrag!
Bis heute ist jedoch unklar, wie eine ideale (also die Einkreisung Deutschlands “sprengende” Außenpolitik) hätte realistischerweise aussehen können.
1. Eine Aussöhnung mit Frankreich wäre nur möglich gewesen um den Preis einer Rückgabe des Elsaß und Lothringens. Dies war aber in der deutschen Öffentlichkeit nicht durchsetzbar gewesen und somit nicht realistisch.
2. Ein neues Bündnis mit Rußland wäre nur um den Preis eines Fallenlassens Österreich-Ungarns möglich gewesen; auch dies wäre niemals in der deutschen Öffentlichkeit durchzusetzen gewesen.
3. England hatte nie ein ernsthaftes Interesse an einem Bündnis mit dem deutschen Reich, das als Kontinentalgroßmacht "nichts zu bieten" hatte. Außerdem war die Politik Englands traditionell gegen die vorherrschende Macht auf dem Kontinent gerichtet, und dies war zu Beginn des 20. Jahrhunderts eben Deutschland.
Natürlich wurden in der deutschen Außenpolitik Fehler gemacht – dies stellen wir auch nicht in Abrede. Wir wollen mit unserer Site lediglich Gegenargumente zur gängigen Meinung bieten, der 1. Weltkrieg sei letztlich die Folge allein deutscher außenpolitischer Fehler gewesen – sowie zur Zuspitzung, Wilhelm II. sei schlußendlich der Hauptschuldige.
Prof. Wolfgang Mommsen z.B. hat in seinem Buch "War der Kaiser an allem schuld?" (2002) eindrucksvoll nachgewiesen, daß es zweifellos die preußisch-deutschen Machteliten waren, die den Kaiser außenpolitisch immer wieder ins offene Messer laufen ließen.
Es ist unsere Absicht, mit diesem Internetangebot auch folgende Frage aufzuwerfen:
Warum glauben wir Deutsche immer, unsere ganze Geschichte wäre friedlich verlaufen, wenn wir allein uns nur immer "nett" verhalten hätten? Warum sehen wir uns so gern als Alleinschuldige und unterstellen allen anderen Nationen stets die besten, friedfertigsten Absichten?
Der australische Historiker Prof. Christopher Clark, Träger des Deutschen Historikerpreises, stellte jüngst ebenfalls verwundert fest, warum wir Deutsche stets die Geschichtsdeutung von Siegermächten uneingeschränkt übernehmen, ohne diese wenigstens vorsichtig zu hinterfragen.
Die Motive der Ententestaaten waren eben nicht ausnahmslos edel. Speziell England war die wirtschaftliche Stärke Deutschlands seit jeher ein Dorn im Auge (Sie erwähnen es), was auch nochsoviel handzahmes deutsches Entgegenkommen nicht hätte ausräumen können. Noch 1989 sagte Margaret Thatcher in der Diskussion der früheren Siegermächte zur Wiedervereinigung: "Zweimal haben wir sie [die Deutschen] besiegt, und jetzt sind sie wieder da!". (Letztlich war dann zumindest der Euro der Preis, den Deutschland auf Drängen Frankreichs zahlen mußte, nachdem die Wiedervereinigung nicht verhindert werden konnte.)
Wir fürchten, wir Deutsche können es aufgrund unserer Mittellage und unserer wirtschaftlichen Stärke den meisten anderen europäischen Staaten nicht wirklich recht machen, und wir sind grundsätzlich verdächtig, sobald wir eigene Interessen vertreten, die für andere Nationen völlig normal gelten dürfen.
Dies gilt heute, und dies galt bereits zur Zeit Wilhelms II.
Es ist unsere Bürde seit 1871, und die aktuelle Diskussion um die Rolle Deutschlands in der Euro-Rettungsfrage liefert das vielleicht jüngste Beispiel.
Und: Warum beurteilen wir Geschichte meist nicht aus der eingeschränkten Sicht der jeweiligen Zeit und ihrer Zwänge sondern aus heutiger Sicht, wo so klar scheint, wie sich alles quasi zwangsläufig entwickeln mußte? Das Ausmaß der entsetzlichen Folgen, die die Zugfahrt Lenins nach Rußland letztlich mit sich brachte, konnte man damals genauso wenig erahnen wie es heute völlig ungewiß ist, was z.B. die derzeitige gezielte Destabilisierung der arabischen Regime zur Folge haben wird.
Hinterher ist man immer klüger – besonders in der Geschichtsschreibung.
Geschichte ist selten schwarz-weiß, auch wenn sie nachträglich oft so gezeichnet wird. Wir möchten mit dieser Site den Kaiser nicht weißwaschen, sondern dazu beitragen, daß wenigstens Grautöne aufscheinen und zunehmend zur Kenntnis genommen werden. Schwarzmalerisches fand und findet sich in den etablierten Medien zu Genüge.
Als aufschlußreiche Lektüre zu den Motiven der einzelnen europäischen Staaten, die zur "Einkreisung" Deutschlands führten, empfehlen wir den Essay von Ehrhardt Bödecker.
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Björn Heß schrieb am 04.07.2011 um 18:12:
Gott erhalte, Gott beschütze
Unsern Kaiser, unser Land!
Mächtig durch des Glaubens Stütze
Führt er uns mit weiser Hand!
Laßt uns seiner Väter Krone
Schirmen wider jeden Feind:
Innig bleibt mit Habsburgs Throne
Österreichs Geschick vereint.
+
Heute verstarb Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit Erzherzog Otto von Habsburg, der älteste Sohn des letzten österreichischen Kaisers und ungarischen Königs, des seligen Karl I. (IV.), in den frühen Morgenstunden in seinem Haus in Pöcking am Starnberger See in Bayern im Alter von 98 Jahren. Die Beerdigung wird am 16. Juli in der Wiener Kapuzinergruft - der Grablege des Hauses Habsburg - stattfinden. Der Herr gib ihm die ewige Ruhe und das ewige Licht ihm. Herr, laß ihn ruhen in Frieden. Amen!
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