80 Luftsiege für den Kaiser – Heute vor 100 Jahren fiel der „Rote Baron“ Manfred von Richthofen

Am heutigen 21. April 2018 jährt sich zum hundertsten Male der Todestag des berühmtesten Soldaten des Ersten Weltkrieges:

Am 21. April 1918 startet Manfred Freiherr von Richthofen (geb. 1892 in Breslau) mit seinem knallrot angestrichenen Fokker Dr. I-Dreidecker und neun anderen Fliegern vom Flugplatz Cappy in Nordfrankreich. Im sich anschließenden Luftkampf mit den Sopwith Camels der britischen Royal Air Force (Squadron No. 209) verfolgt der „Rote Baron“ den kanadischen Leutnant Wilfrid May bis weit in die gegnerischen Kampflinien hinein.

Richthofen begibt sich damit in größte Gefahr und wird von drei australischen MG-Schützen vom Boden aus beschossen – und tödlich getroffen. Eine Kugel trifft ihn von links unten, und er muß nahe der australischen Stellung notlanden. Der Träger des höchsten deutschen Tapferkeitsordens „Pour le Mérite“ stirbt binnen Minuten im Alter von 27 Jahren.

Bei Freund und Feind gilt der erfolgreichste Jagdflieger des Krieges als Legende; der Respekt beim Gegner ist so groß, daß er einen Tag später durch englische Fliegeroffiziere mit vollen militärischen Ehren beerdigt wird, sein Grab wird durch englische Flieger ehrenhalber mit der sog. Missing Man Formation überflogen.

Sein Bruder Bolko würdigt ihn mit den Worten:

Vielleicht mögen anfangs Ehrgeiz und Sportivität starke Triebfedern für Manfreds Entschluß gewesen sein, vom Sattel in den Führersitz des weltberühmten roten Kampfflugzeuges zu steigen. Je härter und schwerer aber die Kämpfe, je bedeutungsvollerer der Luftkrieg für Deutschlands Schicksal und je größer Manfreds eigene Verantwortung wurden, um so ernster wurde bei aller Heiterkeit und Zuversicht des Geistes sein unbeugsamer Wille, allein und ausschließlich das Beste zu tun und zu geben für Volk und Vaterland.“

Richthofens Leben wurde zuletzt 2008 mit Matthias Schweighöfer und Til Schweiger verfilmt („Der Rote Baron“).
Das Taktische Luftwaffengeschwader 71 der Bundeswehr ist nach ihm benannt.
Seine sterblichen Überreste ruhen auf dem Südfriedhof in Wiesbaden.

Heute vor 100 Jahren: Alliierte weisen deutsches Friedensangebot zurück

Heute vor 100 Jahren, am 12. Dezember 1916, unterbreiteten die Mittelmächte den Alliierten ein Friedensangebot zur Beendigung des Ersten Weltkrieges.

Die kaiserliche Regierung unter Kanzler Theobald von Bethmann-Hollweg legte im Namen Deutschlands, Österreich-Ungarns, Bulgariens und des Osmanischen Reiches eine Friedensnote vor, in der es heißt, die Zentralmächte seien „von dem Wunsche beseelt, weiteres Blutvergießen zu verhüten und den Gräueln des Krieges ein ende zu machen“, indem „alsbald in Friedensverhandlungen einzutreten“ sei.

Dieses Gesprächsangebot wurde von der Entente in ihrer Antwortnote vom 30.12.1916 schroff abgewiesen: „Der Vorschlag erscheint weniger ein Friedensangebot denn ein Kriegsmanöver zu sein“.

Das Deutsche Kaiserreich wollte mit dieser Initiative zum dauerhaften Frieden die Kriegsmüdigkeit an der Heimatfront der Ententemächte nutzen, um einen für alle Seiten gerechten Frieden in die Wege zu leiten.

Mit der Ablehnung des Friedensangebotes schlugen die Alliierten die Tür zu einer friedlichen Beendigung des Ersten Weltkrieges zu. Per kaiserlichem Erlaß teilte Wilhelm II. am 5. Januar 1917 mit: „Die Feinde haben Meinen Vorschlag abgelehnt. Ihr Machthunger will Deutschlands Vernichtung. Der Krieg nimmt seinen Fortgang. Vor Gott und der Menschheit fällt den feindlichen Regierungen allein die schwere Verantwortung für alle furchtbaren Opfer zu, die Mein Wille Euch hat ersparen wollen.“

Das Sterben in den Schützengräben ging unvermindert weiter. Das Schicksalsjahr 1917 brachte eines der grauenvollsten Kapitel der modernen Geschichte auf den Weg – auf  die russische Revolution und Bürgerkrieg folgte die Sowjetisierung Rußlands mit Lenin und Stalin, der Beginn des Totalitarismus in Europa!

Rolf Hochhuth erinnert an Churchill-Aussage zur Monarchie in Deutschland


Foto: Die ältesten Enkel Wilhelms II.

„Es gibt Mirakel in der Geschichte, denen wir mit Vernunft nicht beikommen. Schrecklich, oder?
Ich glaube auch, daß Churchill recht hatte, als er 1951 auf der Überfahrt nach Amerika zu Außenminister Anthony Eden sagte:
‚Hätte man 1918 einen Enkel des Kaisers [Wilhelms II.] auf dem Thron gelassen, die Welt hätte den Hitler nie zu sehen gekriegt.‘
Die Monarchie ist nicht schlecht.“

– Rolf Hochhuth in DIE WELTWOCHE, Zürich, Heft 21/2015, S. 54

157. Geburtstag Kaiser Wilhelms II.

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Portrait Wilhelms II. im Schloßhotel Berlin-Grunewald (Aufnahme 2015)

Am 27. Januar 1919 sendete Gustav Stresemann, Vorsitzender der nationalliberalen DVP und späterer Außenminister des Deutschen Reiches, folgendes Glückwunschtelegramm an den sich im holländischen Exil befindlichen Wilhelm II. zu dessen 60. Geburtstag:

Euer Majestät sendet die deutsche Volkspartei zum sechzigsten Geburtstag ehrfurchtsvolle Glückwünsche. Wir würdigen in Dankbarkeit die Arbeit, die Euer Majestät getreu dem Ausspruch ‚Kaisertum ist Dienst am Deutschen Volke‘ in mehr als dreißigjähriger Tätigkeit für das Deutsche Reich und das Deutsche Volk geleistet haben. In Erinnerung an die ersten Worte des alten national-liberalen Parteiprogramms – ‚unverbrüchliche Treue zu Kaiser und zu Reich‘ – gedenken wir der großen Zeit, die Deutschland und Preußen unter der Hohenzollernherrschaft durchlebt haben. Wir wünschen Eure Majestät von ganzem Herzen einen friedlichen Lebensabend und bitten, davon überzeugt zu sein, daß Millionen Deutscher mit uns auch unter den neuen Verhältnissen und auf neuer Grundlage des staatlichen Lebens stets das Bekenntnis zum monarchischen Gedanken hochhalten und  sich gegen jede würdelose Abkehr von den hohen Idealen des deutschen Kaisertums und preußischen Königtums wenden werden.“

Bernhard Dernburg (1914): „Deutschland und England – das eigentliche Problem“

Bernhard Dernburg, Bankier und deutscher Kolonialbeauftragter, verfaßte im November 1914 für die amerikanische Wochenzeitung The Saturday Evening Post einen ausführlichen, bemerkenswerten Artikel. Darin legte er den amerikanischen Lesern die Ursachen des kurz zuvor begonnenen Ersten Weltkrieges aus deutscher Sicht dar.

Dernburg sah als Hauptursache der deutsch-englischen Entfremdung vor dem Kriege insbesondere den Aufschwung der deutschen Industrie. „Es war nicht Deutschlands Militarismus, den England fürchtete, sondern den deutschen Handel und Handelsverkehr“. Der Krieg sei nunmehr die willkommene Gelegenheit für England, den größten wirtschaftlichen Konkurrenten auszuschalten.

Wir bringen auf www.wilhelm-der-zweite.de einen Ausschnitt des Artikels in deutscher Übersetzung:
www.wilhelm-der-zweite.de/essays/dernburg.php

Heute vor 100 Jahren: Aufruf deutscher Intellektueller

Genau heute vor 100 Jahren, am 4. Oktober 1914, veröffentlichten 93 renommierte deutsche Wissenschaftler, Künstler und Schriftsteller ihren gemeinsamen „Aufruf an die Kulturwelt“.
Der Aufruf, an dem sich so bekannte Persönlichkeiten wie Max Planck, Max Reinhardt, Max Liebermann und die Nobelpreisträger Gerhart Hauptmann, Rudolf EuckenConrad Röntgen, Emil von Behring, Emil Fischer, Wilhelm Wien und Paul Ehrlich beteiligten, ging als „Manifest der 93“ in die Geschichte ein. Mehrere der Unterzeichner waren Juden.
Die Intellektuellen wandten sich in ihrem Aufruf gegen die zunehmend aggressive alliierte Kriegspropaganda, die die Deutschen als „Hunnen“ und „Kulturverächter“ stilisierte.

Der Wortlaut des Manifests:

An die Kulturwelt! Ein Aufruf.

Wir als Vertreter deutscher Wissenschaft und Kultur erheben vor der gesamten Kulturwelt Protest gegen die Lügen und Verleumdungen, mit denen unsere Feinde Deutschlands reine Sache in dem ihm aufgezwungenen schweren Daseinskampfe zu beschmutzen trachten. Der eherne Mund der Ereignisse hat die Ausstreuung erdichteter deutscher Niederlagen widerlegt. Um so eifriger arbeitet man jetzt mit Entstellungen und Verdächtigungen. Gegen sie erheben wir laut unsere Stimme. Sie soll die Verkünderin der Wahrheit sein.

Es ist nicht wahr, daß Deutschland diesen Krieg verschuldet hat. Weder das Volk hat ihn gewollt noch die Regierung noch der Kaiser. Von deutscher Seite ist das Äußerste geschehen, ihn abzuwenden. Dafür liegen der Welt die urkundlichen Beweise vor. Oft genug hat Wilhelm II. in den 26 Jahren seiner Regierung sich als Schirmherr des Weltfriedens erwiesen; oft genug haben selbst unsere Gegner dies anerkannt. Ja, dieser nämliche Kaiser, den sie jetzt einen Attila zu nennen wagen, ist jahrzehntelang wegen seiner unerschütterlichen Friedensliebe von ihnen verspottet worden. Erst als eine schon lange an den Grenzen lauernde Übermacht von drei Seiten über unser Volk herfiel, hat es sich erhoben wie ein Mann.

Es ist nicht wahr, daß wir freventlich die Neutralität Belgiens verletzt haben. Nachweislich waren Frankreich und England zu ihrer Verletzung entschlossen [siehe dazu z.B. Christopher Clarks „Schlafwandler“]. Nachweislich war Belgien damit einverstanden. Selbstvernichtung wäre es gewesen, ihnen nicht zuvorzukommen.

Es ist nicht wahr, daß eines einzigen belgischen Bürgers Leben und Eigentum von unseren Soldaten angetastet worden ist, ohne daß die bitterste Notwehr es gebot. Denn wieder und immer wieder, allen Mahnungen zum Trotz, hat die Bevölkerung sie aus dem Hinterhalt beschossen, Verwundete verstümmelt, Ärzte bei der Ausübung ihres Samariterwerkes ermordet. Man kann nicht niederträchtiger fälschen, als wenn man die Verbrechen dieser Meuchelmörder verschweigt, um die gerechte Strafe, die sie erlitten haben, den Deutschen zum Verbrechen zu machen.

Es ist nicht wahr, daß unsere Truppen brutal gegen [die belgische Stadt] Löwen gewütet haben. An einer rasenden Einwohnerschaft, die sie im Quartier heimtückisch überfiel, haben sie durch Beschießung eines Teils der Stadt schweren Herzens Vergeltung üben müssen. Der größte Teil von Löwen ist erhalten geblieben. Das berühmte Rathaus steht gänzlich unversehrt. Mit Selbstaufopferung haben unsere Soldaten es vor den Flammen bewahrt. – Sollten in diesem furchtbaren Kriege Kunstwerke zerstört worden sein oder noch zerstört werden, so würde jeder Deutsche es beklagen. Aber so wenig wir uns in der Liebe zur Kunst von irgend jemand übertreffen lassen, so entschieden lehnen wir es ab, die Erhaltung eines Kunstwerks mit einer deutschen Niederlage zu erkaufen.

Es ist nicht wahr, daß unsere Kriegführung die Gesetze des Völkerrechts mißachtet. Sie kennt keine zuchtlose Grausamkeit. Im Osten aber tränkt das Blut der von russischen Horden hingeschlachteten Frauen und Kinder die Erde, und im Westen zerreißen Dumdumgeschosse unseren Kriegern die Brust. Sich als Verteidiger europäischer Zivilisation zu gebärden, haben die am wenigsten das Recht, die sich mit Russen und Serben verbünden und der Welt das schmachvolle Schauspiel bieten, Mongolen und Neger auf die weiße Rasse zu hetzen [ein heute sicher verstörendes Argument, das aber im Kontext der damaligen Kolonialzeit gesehen werden muß; alle Kolonialherrscher, also auch England oder Frankreich, sahen sich als die wahren, fortgeschrittenen Träger der Zivilisation; es war gemeinhin üblich, diese Länder unter dem Begriff „Weiße Rasse“ zusammenzufassen. Der Vorwurf der Intellektuellen nach damaliger Leseart soll bedeuten, daß sich die Ententemächte nicht scheuten, den Krieg nicht auf Europa zu begrenzen, sondern sogar Kämpfer aus ihren Kolonien gegen den „Kulturstandort“ Europa einzusetzen; Kämpfer mit anderem kulturellen Hintergrund, die sich womöglich an die Haager Landkriegsordnung – im damaligen Bewußtsein eine Errungenschaft der europäischen Zivilisation – nicht gebunden fühlten.].

Es ist nicht wahr, daß der Kampf gegen unseren sogenannten Militarismus kein Kampf gegen unsere Kultur ist, wie unsere Feinde heuchlerisch vorgeben. Ohne den deutschen Militarismus wäre die deutsche Kultur längst vom Erdboden getilgt. Zu ihrem Schutz ist er aus ihr hervorgegangen in einem Lande, das jahrhundertelang von Raubzügen heimgesucht wurde wie kein zweites. Deutsches Heer und deutsches Volk sind eins. Dieses Bewußtsein verbrüdert heute 70 Millionen Deutsche ohne Unterschied der Bildung, des Standes und der Partei.

Wir können die vergifteten Waffen der Lüge unseren Feinden nicht entwinden. Wir können nur in alle Welt hinausrufen, daß sie falsches Zeugnis ablegen wider uns. Euch, die Ihr uns kennt, die Ihr bisher gemeinsam mit uns den höchsten Besitz der Menschheit gehütet habt, Euch rufen wir zu:
Glaubt uns! Glaubt, daß wir diesen Kampf zu Ende kämpfen werden als ein Kulturvolk, dem das Vermächtnis eines Goethe, eines Beethoven, eines Kant ebenso heilig ist wie sein Herd und seine Scholle.
Dafür stehen wir Euch ein mit unserem Namen und mit unserer Ehre!“

Denkwürdiges Zitat von Michael Klonovsky

In seinem Blog Acta diurna veröffentlicht FOCUS-Redakteur Michael Klonovksy beinahe täglich kleine pointierte Denkwürdigkeiten.

Sein neuster Eintrag  vom 19. Juni  lautet:

Es müsste doch eigentlich zu denken geben, dass das autoritäre, ständestaatliche, militaristische, reaktionäre, frontalunterrichtende, vom Untertanengeist bis in die Bandscheibenschäden des letzten Dorfbeamten durchdrungene Zweite deutsche Kaiserreich sowohl wissenschaftlich als auch kulturell unendlich bedeutender war als die freie, aufgeklärte, weltoffene, tolerante, zivililgesellschaftliche, diversifizierte und kolossal bunte Bundesrepublik.

Der Krieg von 1914 – Wahrnehmung eines Zeitgenossen (I)

„Der Krieg, der jetzt geführt wird, ist ein Kampf nicht nur um politische Fragen, um die Behauptung der Machtstellung des Deutschen Reiches und der ihm eng verbündeten Österreichisch-Ungarischen Monarchie, sondern um unendlich viel mehr: Es handelt sich um das Sein oder Nichtsein des deutschen Volkes. Wir wissen, was wir zu erwarten haben, wenn wir unterliegen; unsere Feinde haben uns den Untergang geschworen… Die Zeiten, da Deutschland zerrissen und machtlos war, wollen sie wieder herstellen; sollten sie siegen, so werden sie alle Mittel ergreifen, um Deutschland zu zertrümmern, um uns nicht nur jede Möglichkeit zu nehmen, wieder zu staatlicher Macht zu gelangen, sondern um uns national zu vernichten.“

Eduard Meyer (1855-1930), Professor für Alte Geschichte an der Berliner Universität 1919/1920, Hauptwerk: Geschichte des Altertums
schrieb diese Zeilen am 4. August 1914.