FAZ zum Mythos „Untertanenstaat“ und „Deutscher Sonderweg“

Das Zerrbild, daß das deutsche Kaiserreich ein illiberaler Untertanenstaat gewesen sei und daß sich das Deutsche Reich auf einem fatalen „Sonderweg“ befunden habe, der zu Hitler führen mußte, ist immer noch weiterverbreitet. Gleichwohl haben besonders in den letzten Jahren zahlreiche Historiker aus dem In- und Ausland dieses jahrzehntelang wirkmächtige Narrativ relativiert und widerlegt. Wir selbst haben in unserem Artikel „Deutschlands großer Sprung nach vorn“ die Modernität des Kaiserreichs ausführlich dargelegt und uns der Widerrede angeschlossen.

Nun veröffentlichte die habilitierte Historikerin Hedwig Richter (*1973) in der FAZ einen Beitrag unter dem Titel „Wir Untertanen“, der ebenfalls Widerspruch leistet.
Lesen Sie hier Hedwig Richters FAZ-Beitrag

Der nächste Knaller: „The Darkest Days“ von Douglas Newton

„Clark zum Quadrat“  so überschreibt die Wochenzeitung Junge Freiheit in der Ausgabe 42/2014 die Besprechung des neuen Buches des australischen Historikers Douglas Newton.
Der Autor stellt in seinem Werk die jahrzehntelang landauf landab in Schulen und Medien gepredigte Version vom selbstlosen britischen Eintritt in den 1. Weltkrieg in Frage. Newton schildert die Auseinandersetzung zwischen Friedenspartei und Kriegspartei innerhalb des britischen Machtzirkels in der Julikrise 1914. Die Kriegspartei unter Außenminister Edward Grey und Seelord Winston Churchill tat mit kräftiger Unterstützung  der Unterstaatssekretäre Arthur Nicholson und des berüchtigten Eyre Crowe alles, um Großbritannien in den Krieg gegen die Mittelmächte zu treiben.

Fazit: „Eine Handvoll Männer wollte den Krieg“  und bekam ihn.

Sie können das Buch hier bestellen:
www.buch.de/shop/buecher/mehrvonartikel/the_darkest_days_the_truth_behind_britain_s_rush_to_war_1914/douglas_newton/ISBN1-78168-350-6/ID37899129.html

IfS-Studie: Deutsche Kriegsschuld 1914? Revision einer hundertjährigen Debatte

Das Institut für Staatspolitik (IfS) hat anläßlich der aktuellen Debatte in den Medien um die Verantwortung für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges eine neue Studie veröffentlicht. Auf 50 Seiten wird das Thema „Kriegsschuld“  und die Entwicklung dieser 100jährigen Debatte kompakt nachgezeichnet und erläutert. Die Studie – an der auch wilhelm-der-zweite.de-Autor Dr. Erik Lehnert mitwirkte – ist sehr empfehlenswert vor allem für diejenigen, die sich zwar ernsthaft mit dem Thema beschäftigen wollen, aber nicht die Zeit oder Energie haben, sich mit den 1000-Seiten-Wälzern von Jörg Friedrich oder Christopher Clark auseinanderzusetzen.

Die Studie kostet 5 € und kann hier bestellt werden:
http://antaios.de/buecherschraenke/erster-weltkrieg/2427/deutsche-kriegsschuld-1914

„Ausbruch des 1. Weltkriegs: Wieviel Schuld hatte der deutsche Kaiser?“

Die Zeitung Hessische/Niedersächsische Allgemeine fragt, wieviel Schuld Kaiser Wilhelm II. am Ausbruch des 1. Weltkrieges hatte. Sie stellt der Extremthese John Röhls, der von einer Maximalschuld ausging, u.a. die zwei Friedensinitiativen des Kaisers entgegen und bringt entlastende Zitate der Historiker Wolfgang Mommsen und Christopher Clark.

Lesen Sie den ganzen Artikel unter:
www.hna.de/nachrichten/politik/ausbruch-weltkriegs-wieviel-schuld-hatte-deutsche-kaiser-3696982.html

Hans-Ulrich Wehler †

Hans-Ulrich Wehler, der vielleicht einflußreichste Historiker der letzten Jahrzehnte in der Bundesrepublik, ist am Samstag im Alter von 82 Jahren verstorben. Wehler galt als Gallionsfigur einer neuen Art von Geschichtsschreibung (nach seinem Wirkungsort „Bielefelder Schule“ benannt), die nicht mehr die „großen entscheidenden Personen“ (wie z.B. Alexander den Großen, Napoleon oder Hitler) ins Zentrum der Geschichte stellte, sondern vermehrt sozialpolitische Strömungen und gesellschaftliche Prozesse als Handlungsträger ausmachte. Vertreter der Alten Schule (z.B. Golo Mann oder Joachim Fest) wurden von Wehler massiv kritisiert oder – z.B. im Rahmen des Historikerstreits 1986/87 – auch persönlich angegriffen. Wehler führte hier einen Feldzug, in dem er letztlich erfolgreich war – seine Sicht war in den 70er bis 90er Jahren die quasi-offiziöse Denkweise in der bundesrepublikanischen Elite und Presselandschaft geworden. Das geistige Triumvirat aus Fritz Fischer, Hans-Ulrich Wehler und John Röhl beherrschte jede Debatte über das Deutsche Kaiserreich.

Besonders einflußreich war Wehler mit seinem 1973 erschienenen Buch „Das deutsche Kaiserreich 1871-1918“. Aufbauend auf den gut 10 Jahre zuvor veröffentlichten Thesen von Fritz Fischer vertrat Wehler hierin die These vom fatalen „Deutschen Sonderweg“. Es war dieses Buch, das mit seiner starken Negativzeichnung die einseitige Sicht auf das Kaiserreich für die nächsten Jahrzehnte in der Bundesrepublik bestimmen sollte. Dieses Buch, das zum Standardlehrwerk an den Universitäten und dort ehrfurchtsvoll nur „Das blaue Buch“ genannt wurde, prägte das negative Bild unzähliger Historiker, Politiker, Journalisten und Lehrer vom Deutschen Kaiserreich.

Erst durch die drei vielbeachteten Werke des australischen Historikers Christopher Clark („Preußen“, „Wilhelm II.“, „Die Schlafwandler“) verlor Wehler seit einigen Jahren zunehmend an Einfluß und Deutungshoheit. Es ist daher verständlich, daß Wehler letzten Dezember in der Frankfurter Rundschau in seinem letzten großen Interview zum Thema „Kaiserreich“ massive Kritik an Clark übte.

Wer das Interview heute nochmals liest, möge Wehler im Sinne des De mortuis nihil nisi bene vielleicht gnädiger gestimmt sein, wird aber dennoch verwundert feststellen, wie starr Wehler in seiner Sicht verhaftet war und daß bei ihm eine ausgewogene, gesamteuropäische Betrachtung – anders als bei Clark – völlig fehlte. Die Kriegsparteien z.B. auf russischer oder englischer Seite fanden bei Wehler überhaupt keine Beachtung; ähnlich wie bei Fritz Fischer war auch bei Wehler weiterhin Deutschland/Österreich quasi alleiniger Handlungsträger auf dem Weg in den Krieg.

Lesen Sie das letzte große Interview mit Hans-Ulrich Wehler zum Kaiserreich unter:
www.fr-online.de/der-erste-weltkrieg/interview-mit-hans-ulrich-wehler-der-krieg-war-im-oktober-1914-verloren,1477454,25653878.html

100 Jahre nach dem Attentat von Sarajevo – zum aktuellen Stand der Kriegsschulddebatte

Genau heute vor 100 Jahren fand das Attentat von Sarajevo statt
der Auslöser des Ersten Weltkrieges!

Aus diesem Anlaß stellt Dr. Erik Lehnert in einem Artikel für unsere Website wilhelm-der-zweite.de die wichtigsten Neuerscheinungen zum Ersten Weltkrieg vor. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Frage, welche Position die einzelnen Werke im Kontext der aktuellen Kriegsschulddebatte einnehmen.

Lesen Sie den Artikel „100 Jahre nach dem Attentat von Sarajevo – zum aktuellen Stand der Kriegsschulddebatte“ von Erik Lehnert unter:
www.wilhelm-der-zweite.de/essays/kriegsschulddebatte.php

BR-Sondersendung mit Christopher Clark zum 100. Jahrestag des Attentats von Sarajevo

Im Radioprogramm Bayern 1 des Bayerischen Rundfunks wird am Samstag, dem 100. Jahrestag des Attentats von Sarajevo, eine zweistündige Sondersendung zum Ersten Weltkrieg ausgestrahlt. Im Mittelpunkt steht dabei ein Gespräch mit dem Historiker Christopher Clark, Autor von Die Schlafwandler.
Die Sendung wird auch live im Internet übertragen.

Bayern 1 – Spezial: „Welt am Abgrund“
Samstag, 28.06.2014: 10.05-12:00 Uhr
Moderation der Sendung: Tilmann Schöberl

Sie können Bayern 1 unter der folgenden Adresse übers Internet empfangen und die Sendung live mitverfolgen:
http://streams.br.de/bayern1_2.m3u

Audio: Christopher Clark im Gespräch

Christopher Clark. Quelle: Bayerischer Rundfunk

Christopher Clark war gestern in der Gesprächssendung „Eins zu Eins. Der Talk“ des Bayerischen Rundfunks zu Gast.

In der 55minütigen, äußerst hörenswerten Sendung nahm Clark zu vielen Themenkomplexen Stellung. Besonders interessant: Clarks Enttäuschung über die „brachiale“ Kritik zahlreicher Historikerkollegen an seinem Bestseller „Die Schlafwandler“. Namentlich erwähnt er John Röhl, der als einziger die Fritz-Fischer-These noch vollständig vertrete. Und Clarks Charakterisierung von Wilhelm II. als „facettenreiche Person“, die eben in entscheidenden Momenten bremsend auf dem Weg zum Krieg wirkte. Besondere Erwähnung findet die Reaktion Wilhelms II. auf die serbische Antwort auf das österreichische Ultimatum (Durch sie entfällt jeder Grund zum Kriege). Wilhelm II. ist außerdem im Originalton zu hören mit seiner Ansprache zum Kriegsbeginn.

Sie können das ganze Gespräch mit Christopher Clark hier nachhören:
www.br.de/radio/bayern2/programmkalender/sendung815216.html

Christopher Clark verteidigt sich gegen die Kritik deutscher Historiker

clarkChristopher Clarks Monumentalwerk Die Schlafwandler ist zweifellos die wirkmächtigste der zahllosen  Neuerscheinungen zum 1. Weltkrieg. Kein anderes Buch zum Thema hat eine solche Aufmerksamkeit erregt, über keines wurde mehr diskutiert. Inzwischen ist die 15. Auflage gedruckt, und bereits Anfang Mai waren in Deutschland 200.000 Exemplare des Buches verkauft.

Vor gut 50 Jahren hatte Fritz Fischer mit seiner These vom „Deutschen Sonderweg“ und der Behauptung der deutschen Hauptschuld am Ausbruch des 1. Weltkrieges die quasioffizielle Leseart vorgegeben, der seitdem fast alle deutschen Historiker von Rang und Namen unwidersprochen folgten – bis eben Clark seine „Schlafwandler“ vorlegte.

Es ist naheliegend, daß Clarks Werk und Wirkungsmacht für die etablierten Historiker eine gewaltige Provokation darstellten muß – schließlich wurde die bisher gültige Sichtweise, wie sie von den Historikern seit Jahrzehnten gleichsam ex cathedra gelehrt und stur verteidigt wurde, durch Clarks Forschungen widerlegt oder zumindest stark relativiert.

Die Historiker waren also herausgefordert, gleichwohl konnten sie Clarks Argumentation im Kern nicht wirklich widerlegen, dafür war sie zu schlüssig. Folglich verlagerte sich ihre Kritik zunehmend auf einen Nebenschauplatz, der freilich Clarks Werk in der Substanz treffen sollte: der Kritik an Clarks Quellenarbeit. Prof. Gerd Krumeich  z.B. warf Clark vor, gerade die entscheidenden Dokumente, die Deutschland belasten würden, unterschlagen zu haben. Hans-Ulrich Wehler übte in der FAZ Quellenkritik an Clark und warf ihm Einseitigkeit vor.

Es ist in der Tat ein Kuriosum: Ausgerechnet Clark, der erstmals einen breiten Fokus hat und nicht nur Deutschland, sondern alle beteiligten Nationen im Blick behält, wird nun Einseitigkeit vorgeworfen! Gerade seine betont differenzierte Betrachtungsweise wird als zu einseitig gebrandmarkt – ein im Grunde lächerlicher, da widersprüchlicher Vorwurf, der nur offenbart, wie hilflos und dünnhäutig die angegriffenen Historiker reagieren. Entlarvend ist, daß diese letztendlich immer wieder auf Fritz Fischer verweisen und den Eindruck vermitteln, mit Fischer sei eben bereits alles zum Thema gesagt (siehe dazu auch Prof. John Röhls Artikel in der Süddeutschen Zeitung).

In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (15.06.2014, S. 4) nahm Clark nun ausführlich Stellung zur jüngsten Quellenkritik. Er betonte, sich seit langem intensivst mit Fritz Fischer auseinandergesetzt zu haben. Fischer sei auch durchaus zuzustimmen  in der Beschreibung der Kriegsvorbereitung eines Teils der deutschen Elite. Aber man könne diese Kriegspläne einer Teilelite eben nicht auf den ganzen Staat beziehen, wie es Fischer und die meisten Historiker nach ihm getan haben.  Zudem müßten auch die Motive und das Verhalten der anderen beteiligten Nationen berücksichtigt werden, sonst würden „die Zeitläufte der Weltgeschichte allein in Berlin bestimmt. Solche Ansichten teile ich nicht“.

Warum Clarks Werk eine derartige Provokation für die hiesige etablierte Historikerzunft darstellt, dafür liefert Clark im Interview selbst die Erklärung: „Es ist auch nicht überraschend, dass einige Historiker wütend werden. Sie haben ihr gesamtes Leben in eine bestimmte Interpretation investiert, und dann kommt jemand und stellt alles in Frage.“  Und: Für die Deutschen gehört die Behauptung einer deutschen Allein- beziehungsweise Hauptschuld am Ausbruch des Ersten Weltkriegs zumindest in linksliberalen Kreisen seit Dekaden zur Grundausstattung ihres Geschichtsbewusstseins.“

Lesen Sie das ganze Interview mit Christopher Clark unter: www.faz.net/aktuell/politik/christopher-clark-im-gespraech-woher-wissen-sie-was-die-oesterreicher-traeumten-12990727-p2.html?printPagedArticle=true

aspekte (ZDF): Vier Historiker zur deutschen Kriegsschuld

Die ZDF-Reihe aspekte widmete sich in der gestrigen Sendung (06.06, 23:50 Uhr) u.a. der Frage: Wer hat angefangen? Die neue Sicht auf den Ersten Weltkrieg.

Bezugnehmend auf das Schlüsselwerk Die Schlafwandler von Christopher Clark äußerten sich vier Historiker kontrovers zur Kriegsschuldfrage: Clark selbst, Herfried Münkler, Gerd Krumeich und Jörn Leonhard. Krumeich und Leonhard kritisierten Clark dafür, daß er Deutschland zu sehr entlastet habe.

Die vier Stellungnahmen können Sie als Kurzvideos hier ansehen: www.zdf.de/aspekte/wer-hat-angefangen-die-neue-sicht-auf-den-ersten-weltkrieg-33509050.html