100 Jahre nach dem Attentat von Sarajevo – zum aktuellen Stand der Kriegsschulddebatte

Genau heute vor 100 Jahren fand das Attentat von Sarajevo statt
der Auslöser des Ersten Weltkrieges!

Aus diesem Anlaß stellt Dr. Erik Lehnert in einem Artikel für unsere Website wilhelm-der-zweite.de die wichtigsten Neuerscheinungen zum Ersten Weltkrieg vor. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Frage, welche Position die einzelnen Werke im Kontext der aktuellen Kriegsschulddebatte einnehmen.

Lesen Sie den Artikel „100 Jahre nach dem Attentat von Sarajevo – zum aktuellen Stand der Kriegsschulddebatte“ von Erik Lehnert unter:
www.wilhelm-der-zweite.de/essays/kriegsschulddebatte.php

BR-Sondersendung mit Christopher Clark zum 100. Jahrestag des Attentats von Sarajevo

Im Radioprogramm Bayern 1 des Bayerischen Rundfunks wird am Samstag, dem 100. Jahrestag des Attentats von Sarajevo, eine zweistündige Sondersendung zum Ersten Weltkrieg ausgestrahlt. Im Mittelpunkt steht dabei ein Gespräch mit dem Historiker Christopher Clark, Autor von Die Schlafwandler.
Die Sendung wird auch live im Internet übertragen.

Bayern 1 – Spezial: „Welt am Abgrund“
Samstag, 28.06.2014: 10.05-12:00 Uhr
Moderation der Sendung: Tilmann Schöberl

Sie können Bayern 1 unter der folgenden Adresse übers Internet empfangen und die Sendung live mitverfolgen:
http://streams.br.de/bayern1_2.m3u

Audio: Christopher Clark im Gespräch

Christopher Clark. Quelle: Bayerischer Rundfunk

Christopher Clark war gestern in der Gesprächssendung „Eins zu Eins. Der Talk“ des Bayerischen Rundfunks zu Gast.

In der 55minütigen, äußerst hörenswerten Sendung nahm Clark zu vielen Themenkomplexen Stellung. Besonders interessant: Clarks Enttäuschung über die „brachiale“ Kritik zahlreicher Historikerkollegen an seinem Bestseller „Die Schlafwandler“. Namentlich erwähnt er John Röhl, der als einziger die Fritz-Fischer-These noch vollständig vertrete. Und Clarks Charakterisierung von Wilhelm II. als „facettenreiche Person“, die eben in entscheidenden Momenten bremsend auf dem Weg zum Krieg wirkte. Besondere Erwähnung findet die Reaktion Wilhelms II. auf die serbische Antwort auf das österreichische Ultimatum (Durch sie entfällt jeder Grund zum Kriege). Wilhelm II. ist außerdem im Originalton zu hören mit seiner Ansprache zum Kriegsbeginn.

Sie können das ganze Gespräch mit Christopher Clark hier nachhören:
www.br.de/radio/bayern2/programmkalender/sendung815216.html

Denkwürdiges Zitat von Michael Klonovsky

In seinem Blog Acta diurna veröffentlicht FOCUS-Redakteur Michael Klonovksy beinahe täglich kleine pointierte Denkwürdigkeiten.

Sein neuster Eintrag  vom 19. Juni  lautet:

Es müsste doch eigentlich zu denken geben, dass das autoritäre, ständestaatliche, militaristische, reaktionäre, frontalunterrichtende, vom Untertanengeist bis in die Bandscheibenschäden des letzten Dorfbeamten durchdrungene Zweite deutsche Kaiserreich sowohl wissenschaftlich als auch kulturell unendlich bedeutender war als die freie, aufgeklärte, weltoffene, tolerante, zivililgesellschaftliche, diversifizierte und kolossal bunte Bundesrepublik.

Christopher Clark verteidigt sich gegen die Kritik deutscher Historiker

clarkChristopher Clarks Monumentalwerk Die Schlafwandler ist zweifellos die wirkmächtigste der zahllosen  Neuerscheinungen zum 1. Weltkrieg. Kein anderes Buch zum Thema hat eine solche Aufmerksamkeit erregt, über keines wurde mehr diskutiert. Inzwischen ist die 15. Auflage gedruckt, und bereits Anfang Mai waren in Deutschland 200.000 Exemplare des Buches verkauft.

Vor gut 50 Jahren hatte Fritz Fischer mit seiner These vom „Deutschen Sonderweg“ und der Behauptung der deutschen Hauptschuld am Ausbruch des 1. Weltkrieges die quasioffizielle Leseart vorgegeben, der seitdem fast alle deutschen Historiker von Rang und Namen unwidersprochen folgten – bis eben Clark seine „Schlafwandler“ vorlegte.

Es ist naheliegend, daß Clarks Werk und Wirkungsmacht für die etablierten Historiker eine gewaltige Provokation darstellten muß – schließlich wurde die bisher gültige Sichtweise, wie sie von den Historikern seit Jahrzehnten gleichsam ex cathedra gelehrt und stur verteidigt wurde, durch Clarks Forschungen widerlegt oder zumindest stark relativiert.

Die Historiker waren also herausgefordert, gleichwohl konnten sie Clarks Argumentation im Kern nicht wirklich widerlegen, dafür war sie zu schlüssig. Folglich verlagerte sich ihre Kritik zunehmend auf einen Nebenschauplatz, der freilich Clarks Werk in der Substanz treffen sollte: der Kritik an Clarks Quellenarbeit. Prof. Gerd Krumeich  z.B. warf Clark vor, gerade die entscheidenden Dokumente, die Deutschland belasten würden, unterschlagen zu haben. Hans-Ulrich Wehler übte in der FAZ Quellenkritik an Clark und warf ihm Einseitigkeit vor.

Es ist in der Tat ein Kuriosum: Ausgerechnet Clark, der erstmals einen breiten Fokus hat und nicht nur Deutschland, sondern alle beteiligten Nationen im Blick behält, wird nun Einseitigkeit vorgeworfen! Gerade seine betont differenzierte Betrachtungsweise wird als zu einseitig gebrandmarkt – ein im Grunde lächerlicher, da widersprüchlicher Vorwurf, der nur offenbart, wie hilflos und dünnhäutig die angegriffenen Historiker reagieren. Entlarvend ist, daß diese letztendlich immer wieder auf Fritz Fischer verweisen und den Eindruck vermitteln, mit Fischer sei eben bereits alles zum Thema gesagt (siehe dazu auch Prof. John Röhls Artikel in der Süddeutschen Zeitung).

In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (15.06.2014, S. 4) nahm Clark nun ausführlich Stellung zur jüngsten Quellenkritik. Er betonte, sich seit langem intensivst mit Fritz Fischer auseinandergesetzt zu haben. Fischer sei auch durchaus zuzustimmen  in der Beschreibung der Kriegsvorbereitung eines Teils der deutschen Elite. Aber man könne diese Kriegspläne einer Teilelite eben nicht auf den ganzen Staat beziehen, wie es Fischer und die meisten Historiker nach ihm getan haben.  Zudem müßten auch die Motive und das Verhalten der anderen beteiligten Nationen berücksichtigt werden, sonst würden „die Zeitläufte der Weltgeschichte allein in Berlin bestimmt. Solche Ansichten teile ich nicht“.

Warum Clarks Werk eine derartige Provokation für die hiesige etablierte Historikerzunft darstellt, dafür liefert Clark im Interview selbst die Erklärung: „Es ist auch nicht überraschend, dass einige Historiker wütend werden. Sie haben ihr gesamtes Leben in eine bestimmte Interpretation investiert, und dann kommt jemand und stellt alles in Frage.“  Und: Für die Deutschen gehört die Behauptung einer deutschen Allein- beziehungsweise Hauptschuld am Ausbruch des Ersten Weltkriegs zumindest in linksliberalen Kreisen seit Dekaden zur Grundausstattung ihres Geschichtsbewusstseins.“

Lesen Sie das ganze Interview mit Christopher Clark unter: www.faz.net/aktuell/politik/christopher-clark-im-gespraech-woher-wissen-sie-was-die-oesterreicher-traeumten-12990727-p2.html?printPagedArticle=true

aspekte (ZDF): Vier Historiker zur deutschen Kriegsschuld

Die ZDF-Reihe aspekte widmete sich in der gestrigen Sendung (06.06, 23:50 Uhr) u.a. der Frage: Wer hat angefangen? Die neue Sicht auf den Ersten Weltkrieg.

Bezugnehmend auf das Schlüsselwerk Die Schlafwandler von Christopher Clark äußerten sich vier Historiker kontrovers zur Kriegsschuldfrage: Clark selbst, Herfried Münkler, Gerd Krumeich und Jörn Leonhard. Krumeich und Leonhard kritisierten Clark dafür, daß er Deutschland zu sehr entlastet habe.

Die vier Stellungnahmen können Sie als Kurzvideos hier ansehen: www.zdf.de/aspekte/wer-hat-angefangen-die-neue-sicht-auf-den-ersten-weltkrieg-33509050.html

Der Krieg von 1914 – Wahrnehmung eines Zeitgenossen (I)

„Der Krieg, der jetzt geführt wird, ist ein Kampf nicht nur um politische Fragen, um die Behauptung der Machtstellung des Deutschen Reiches und der ihm eng verbündeten Österreichisch-Ungarischen Monarchie, sondern um unendlich viel mehr: Es handelt sich um das Sein oder Nichtsein des deutschen Volkes. Wir wissen, was wir zu erwarten haben, wenn wir unterliegen; unsere Feinde haben uns den Untergang geschworen… Die Zeiten, da Deutschland zerrissen und machtlos war, wollen sie wieder herstellen; sollten sie siegen, so werden sie alle Mittel ergreifen, um Deutschland zu zertrümmern, um uns nicht nur jede Möglichkeit zu nehmen, wieder zu staatlicher Macht zu gelangen, sondern um uns national zu vernichten.“

Eduard Meyer (1855-1930), Professor für Alte Geschichte an der Berliner Universität 1919/1920, Hauptwerk: Geschichte des Altertums
schrieb diese Zeilen am 4. August 1914.

Gelungene Schaufenster-Präsentation zum Ersten Weltkrieg

An vielen Orten in Deutschland wird derzeit des Beginns des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren gedacht. Ein besonders gelungenes Beispiel, dieses Ereignis in Erinnerung zu rufen, geben folgende Fotos vom Schaufenster eines Antiquariats. Ausgewählte Exponate der zeitgenössischen Erinnerungskultur (z.B. Nachkriegsliteratur) mitsamt informativen Erklärungstafeln zeigen, wie man Zeitgeschichte veranschaulichen und auf höchst interessante Weise lehrreich präsentieren kann – auch ganz ohne moralischen Zeigefinger.