Historiker Stefan Scheil zu alliierten Kriegsvorbereitungen am 24. Juli 1914

Der Historiker Dr. Stefan Scheil hat kürzlich in einem Beitrag für die Zeitschrift sezession die Geschehnisse auf alliierter Seite am 24. Juli 1914 dokumentiert. Was sich an diesem einzigen, exemplarisch ausgewählten Tag alles zutrug, ist höchst entlarvend und legt den Schluß nahe, daß die Entente schon zu diesem Zeitpunkt gezielt auf einen Krieg zusteuerte  während sich der deutsche Kaiser noch im Urlaub auf Nordlandreise befand.

In Kürze wird Scheil ein Buch mit dem Titel Mitten im Frieden überfällt uns der Feind veröffentlichen (Landtverlag, 240 S.), das auf Basis zahlreicher Quellen die alliierten Kriegsvorbereitungen eingehend beleuchten wird.

Lesen Sie den sezession-Artikel von Stefan Scheil zum 24. Juli 1914 unter:
www.sezession.de/46144/ein-tag-im-20-jahrhundert-der-24-juli-1914.html

„Ring of Steel: Germany and Austria-Hungary at War, 1914-1918“

Der in London lehrende britische Historiker Alexander Watson hat die zahllosen Veröffentlichungen im Jubiläumsjahr 2014 zum Ersten Weltkrieg um einen weiteren Band ergänzt: Watson befaßt sich in „Ring of Steel: Germany and Austria-Hungary at War, 1914-1918“ mit dem Krieg aus der Perspektive der Mittelmächte.

Er legt dar, wie der Erste Weltkrieg vor allem das Schicksal Osteuropas langfristig in radikalster Reise beeinflußte, analysiert das Verhalten der deutschen und österreichischen Zivil- und Kriegsverwaltung und kommt  ähnlich wie Jörg Friedrich – zu dem Schluß, daß Deutschland und seine Verbündeten nach dem Frieden von Brest-Litowsk die Chance auf den Sieg vergaben.

In einer Rezension der Financial Times vom 9./10. August hat William Mulligan (University College Dublin) einige wesentlichen Aussagen des Buches kommentiert:

„Watson’s most controversial arguments focus on the radicalisation the systematic use of violence against civilians in the war economy. Historians have long identified the German military as occupying a central role in this story […] But Watson adds important twists, viewing German conduct and aims as no more radical than those of its ally or enemies. Indeed he claims that the Allied side was primarily responsible for radicalising the war. Britain plays a central role in his argument, as its entry transformed the conflict into an attritional one between economies and societies. Britain’s blockade, the epitome of economic warfare and at the very last dubious under international law, entailed the targeting of civilians and provoked German unrestricted submarine warfare.“
Financial Times, London, Books“, S. 10 vom 9./10.8.2014

Das Buch liegt (noch) nicht in deutscher Übersetzung vor, kann aber als englisches Original bestellt werden: Weiterleitung zu Amazon

IfS-Studie: Deutsche Kriegsschuld 1914? Revision einer hundertjährigen Debatte

Das Institut für Staatspolitik (IfS) hat anläßlich der aktuellen Debatte in den Medien um die Verantwortung für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges eine neue Studie veröffentlicht. Auf 50 Seiten wird das Thema „Kriegsschuld“  und die Entwicklung dieser 100jährigen Debatte kompakt nachgezeichnet und erläutert. Die Studie – an der auch wilhelm-der-zweite.de-Autor Dr. Erik Lehnert mitwirkte – ist sehr empfehlenswert vor allem für diejenigen, die sich zwar ernsthaft mit dem Thema beschäftigen wollen, aber nicht die Zeit oder Energie haben, sich mit den 1000-Seiten-Wälzern von Jörg Friedrich oder Christopher Clark auseinanderzusetzen.

Die Studie kostet 5 € und kann hier bestellt werden:
http://antaios.de/buecherschraenke/erster-weltkrieg/2427/deutsche-kriegsschuld-1914

Heute vor 100 Jahren: Aufruf Wilhelms II. erscheint in den deutschen Zeitungen

Heute vor 100 Jahren erschien in nahezu allen deutschen Zeitungen der Aufruf Wilhelms II. „An das deutsche Volk!“ zum Kriegsbeginn. Der Aufruf war am Vortag (6. August 1914) verfaßt und zunächst im Reichsanzeiger publiziert worden, daher ist er auf diesen Tag datiert; die breite Öffentlichkeit erreichte er erst am Tag darauf (7. August) über die Presse.

In den Tagen zuvor hatte Wilhelm II. bereits einige Balkonreden zum Kriegsbeginn gehalten. Der heute vor 100 Jahren verbreitete Aufruf bildete schließlich den vorläufigen Abschluß der persönlichen Mitteilungen des Kaisers an sein Volk anläßlich des Kriegsausbruchs.

Berlin, im August 1914 …

„Durch die Straßen Berlins randalierten in den Augusttagen des Jahres 1914 aufgebrachte Menschenmassen und demonstrierten vor dem Botschaftsgebäude Großbritanniens, das soeben gegen das Deutsche Reich in den Krieg eingetreten war. Hinter den geschlossenen Jalousien seines Arbeitszimmers saß Seiner Britischen Majestät Botschafter Sir Edward Goschen und bewirtete seinen Gast, den französischen Botschafter Cambon. «Well», unterbrach Sir Edward das Schweigen, «am heutigen Tage gibt es in Berlin nur drei Menschen, die sich über diesen Krieg nicht freuen. Der eine sind Sie, der andere bin ich, und der dritte ist der deutsche Kaiser Wilhelm II.»“

Quelle: DER SPIEGEL, Nr. 32/1959, S. 34

Jörg Friedrich („14/18 – der Weg nach Versailles“) zum Kriegsausbruch vor genau 100 Jahren

In den drei Tagen vom 30. Juli bis zum 1. August [1914] schieben sich in Berlin drei Kriegsszenarien übereinander. Der Wilhelmsche Bluffkrieg, der Balkan-Krieg und der europäische Plankrieg. Die ziellose Verwirrung dabei ist eigentlich unübersehbar. Der am 5. Juli ausgestellte sog. Blankoscheck war einlösbar in einer österreichischen Strafaktion, zu der, auch nach den heutigen engeren Maßstäben, hinreichender Anlaß bestand. Der Zusammenhang zwischen dem Al-Qaida-Kommando vom 11. September 2001 und dem afghanischen Talibanstaat war nicht enger als der zwischen der Princip-Bande und den Herrschaftsverhältnissen in Serbien.

Der deutsche Schutz gegen russische Einmischung war der klassische Bündnisfall. Rußland war durch Österreich nicht bedroht, es hatte keine keine Bündnispflicht gegen Serbien, ein Überfall in Gallizien wäre, nach gegenwärtigen Begriffen, aus welcher Sympathie und Patronage auch immer, frei gewählte Angriffshandlung gewesen.

Ob Österreich-Ungarn zu einer raschen militärischen Repressalie wie der Besetzung Belgrads fähig gewesen wäre, braucht nicht erörtert zu werden, weil es etwas anderes im Schilde führte, seinen Wunschkrieg zur Zerlegung Serbiens im Stil der vorangegangenen Balkankriege, die erst die europäische Türkei und danach Bulgarien zerlegt hatten.“ 

Jörg Friedrich: 14/18  der Weg nach Versailles, Berlin 2014, S. 196