„Vergleichende Geschichtstabellen“ (1921) von Wilhelm II. dokumentieren Zuspitzung der Julikrise vor genau 100 Jahren

Heute vor 100 Jahren trat Kaiser Wilhelm II. die vorzeitige Rückreise von seiner Nordlandreise an, die er am 6. Juli begonnen hatte, denn eine Zuspitzung der Julikrise zeichnete sich ab.
Man erwartete die serbische Antwort auf das Ultimatum, das Österreich am 23. Juli – also erst 2 Tage zuvor und 17 Tage nach der Abreise des Deutschen Kaisers in den Urlaub nach Norwegen – an Serbien gerichtet hatte.
Vom genauen Inhalt des Ultimatums hatte Wilhelm II. erst aus der norwegischen Presse erfahren – nicht aus Berlin!
Wollte man den Kaiser bewußt im Unklaren lassen, da man seine bremsenden Interventionen (er wurde von Falken als „Zauderer“ verlacht) fürchtete?
Jedenfalls setzte sich der Kaiser sofort nach seiner Rückkehr in Potsdam am 27. Juli per Telegramm mit dem russischen Zaren und englischen König in Verbindung, um eine Eskalation der Lage zu verhindern und die unheilvolle Entwicklung zu stoppen – letztlich freilich erfolglos.

Im Jahre 1921 veröffentliche Wilhelm II. aus dem holländischen Exil seine „Vergleichenden Geschichtstabellen“, in denen er Schlüsselereignisse von 1878 bis zum Kriegsausbruch 1914 chronologisch und nach Nationen gegliedert auflistete. Die Entwicklung der Julikrise hatte Wilhelm II. darin minutiös rekonstruiert, bei vielen Ereignissen war sogar die Uhrzeit angegeben. Sie zeigen die mehrfachen, verzweifelten Initiativen des Kaisers, den Frieden zu retten, die freilich untergraben wurden und erfolglos blieben – auch durch den gezielten Druck, den die französische Regierung unter Präsident Poincaré auf Rußland ausübte (während sich der Deutsche Kaiser isoliert im Urlaub befand, weilte Poincaré vom 19.-23. Juli am Zarenhof und versicherte der russischen Regierung bedingungslose Unterstützung im Kriegsfall – quasi ein Blankoscheck Frankreichs, wie er später vor allem Deutschland gegenüber Österreich vorgeworfen wurde).

Sie können die nachträgliche kaiserliche Dokumentation der Ereignisse dieser entscheidenden Tage vor genau 100 Jahren hier nachlesen (klicken Sie unten auf den Link „Vergleichende Geschichtstabellen“ für eine vergrößerte Darstellung):

Kommentare zu diesem Beitrag:

  1. Ich kann diese Geschichtstabellen nur empfehlen, die wieder erhältlich sind. Jahrelang wurden sie verlacht und als einseitig dargestellt, dabei waren sie schon immer eine gute Informationsquelle.
    Und wenn es auch nicht gerne gehört wird: schuld am ersten Weltkrieg sind auch die Einkreisungspolitik Großbritanniens und die aggressive Außenpolitik Frankreichs, sowie der Panslawismus Russlands.

    Ich danke im übrigen den Betreibern für ihre Beiträge und macht weiter so!
    Der Wahrheit eine Gasse!


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