„Wilhelm Zwo statt Bismarck“

Wilhelm Zwo statt Bismarck“ – so hat SPIEGEL Online-Kolumnist Jakob Augstein die gestrige Ausgabe seiner Kolumne „Im Zweifel links“ betitelt. Der Titel spielt auf die Forderung der BILD-Zeitung vor ein paar Tagen an, Angela Merkel müsse sich in der Behandlung der Griechenland-Krise jetzt unnachgiebig wie der „Eiserne Kanzler“ Bismarck zeigen (siehe Foto oben). Augstein hält dem in seiner Kolumne entgegen: Aber ein Bismarck ist diese Kanzlerin nicht. Passender wäre der Vergleich mit Wilhelm Zwo.
Wer nun eine sachliche Begründung für diesen Vergleich erwartet, wird naturgemäß enttäuscht: Augstein bleibt sie schuldig, und er generalisiert zudem in unsachlicher Weise, in dem er seine ursprüngliche Kritik an Merkel auf Deutschland insgesamt ausweitet und ein „Wiedererwachen eines dunklen deutschen Nationalismus“ wahrnehmen will.

Aber weshalb bringt Augstein „Wilhelm Zwo“ ins Spiel? Den letzten deutschen Kaiser, dessen Regentschaft beinahe 100 Jahre zurückliegt und der mit einer Kanzlerin der Bundesrepublik und der aktuellen Griechenlandkrise ganz konkret nun wirklich nichts gemein hat!
Die Antwort: Wilhelm II. dient weiterhin als willkommene Negativfigur, als Unhold, als Maximalexempel eines Unsympathen. So wird der Kaiser in erster Linie von der Öffentlichkeit immer noch wahrgenommen, obwohl dieses Zerrbild von Historikern längst relativiert wurde. Hier müssen gar keine Argumente geliefert werden, wie sie auch Augstein nicht vorbringt – es greift ja das negative Bild, das die meisten vom Kaiser noch immer im Kopf haben.

Dies gilt insbesondere, wenn Bismarck ins Spiel kommt: Der positiven Figur „Bismarck“ wird dann gerne Wilhelm II. als negative Entsprechung gegenübergestellt. Hier der weise, vernünftige Reichskanzler – dort der unreife, unvernünftige Kaiser. Auf genau diese Antagonie spielt Augstein mit seinem Kolumnentitel an.

Daß die einseitige Positivzeichnung Bismarcks einerseits und die Dämonisierung des Kaisers andererseits den historischen Tatsachen nicht gerecht wird, haben wir schon in unserem Artikel zur Entlassung Bismarcks durch Wilhelm II. beleuchtet.

Bismarck hatte nach seiner Entlassung freilich ganz gezielt daran gearbeitet, daß die positive Mythologisierung seiner eigenen Person einerseits und die Dämonisierung des Kaisers andererseits ins öffentliche Bewußtsein geriet – wo sie noch heute verankert ist, so stark sogar, daß Jakob Augstein im Jahre 2015 nur zu gerne darauf zurückgreift.
Die historischen Tatsachen erfordern jedoch eine differenziertere Betrachtung! Einen aktuellen Beleg hierfür liefert etwa der kürzlich erschienene Welt-Artikel „Die Mär vom deppenhaften Helgoland-Sansibar-Tausch“.

Diskussion um den Berliner Neptunbrunnen

Der Neptunbrunnen in Berlin-Mitte auf dem Platz zwischen Rotem Rathaus und Marienkirche (in der Nähe des Fernsehturmes/Alexanderplatzes) ist auch heute ein beliebtes Fotomotiv:

neptunbrunnenpanorama   neptunbrunnendetail

Der Neptunbrunnen wurde 1891 ursprünglich vor dem Berliner Schloß errichtet. Er war ein Geschenk des Berliner Magistrats an den jungen Kaiser Wilhelm II. – eine Tatsache, die weitgehend vergessen ist!

neptunbrunnen1900

Der später sehr bekannte Bildhauer Reinhold Begas schuf den Brunnen in 3jähriger Arbeit; er stellt eine der größten bildkünstlerischen Brunnenanlagen der Welt dar! Die bekannten vier Frauenfiguren am Rand des Brunnens sollen die Flüsse Rhein, Weichsel, Oder und Elbe symbolisieren.

Nachdem die DDR-Führung das Schloß 1951 sprengen ließ, wurde der vom Krieg verschonte Brunnen demontiert und 1969 auf dem Platz zwischen Rotem Rathaus und Marienkirche neu errichtet, wo er noch heute steht. Im Zuge des Wiederaufbaus des Berliner Schlosses entbrannte in jüngster Zeit auch die Diskussion um die Gestaltung des Schloßumfeldes neu. Viele wünschen eine Rückverlegung des Neptunbrunnens an seinen ursprünglichen Platz vor dem Schloß – geht dieser Standort doch auf den Plan des genialen preußischen Baumeisters Karl-Friedrich Schinkel zurück.

Nach einem Beschluß des Berliner Senats soll der Neptunbrunnen jedoch auf seinem jetzigen Platz verbleiben. Es bleibt zu hoffen, daß nach Wiederherstellung der barocken Schloßfassaden 2019 der Ruf neu laut wird, das ganze stimmige historische Schloßensemble – mitsamt Neptunbrunnen – wiederherzustellen und daß der Senatsbeschluß letztlich revidiert wird.

Siehe auch: „Der Neptunbrunnen gehört vors Schloss“ (Tagespiegel-Artikel)

Vor 100 Jahren: Der folgenreiche Untergang der „Lusitania“

Am 7. Mai 1915 vor genau 100 Jahren versenkte das deutsche U-Boot U20 das US-Passagierschiff Lusitania vor der Südwestküste Irlands. 1198 Menschen kamen ums Leben, darunter 128 US-Amerikaner.

Das Ereignis entfachte in der amerikanischen Öffentlichkeit eine lange Diskussion um einen möglichen Kriegseintritt gegen die Mittelmächte auf Seiten der Alliierten, die schließlich zur Kriegserklärung der USA an das kaiserliche Deutschland führte.

Jahrzehntelang galt nur die offizielle Darstellung der  Siegermächte als historische Wahrheit:
die Versenkung als deutsches Kriegsverbrechen an unschuldigen Zivilisten, als barbarischer Akt.

lusitania_nyt

Doch in Wirklichkeit war der Untergang der Lusitania ein bewußt herbeigeführtes Täuschungsmanöver der britisch-amerikanischen Kriegspartei, die um jeden Preis die USA in den europäischen Konflikt hineinziehen wollte. Die Lusitania war eben kein harmloser Passagierdampfer, sondern Hilfskreuzer der Royal Navy mit massenhaft Munition an Bord.

Das deutsche Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL druckte im Jahre 1972 einen Artikel, der sich auf die damaligen Recherchen der englischen Journalisten Simpson und Tormalin bezog und die wahren Hintergründe dieses folgenreichen Ereignisses ans Licht brachte. Eine zentrale Rolle darin spielt die Ladeliste der Lusitania, die Präsident Wilson als Geheimdokument erhalten hatte. Sie belege, daß in der Tat große Mengen an Waffen und Kriegsmunition an Bord des Schiffes waren.

Sie finden den historischen Artikel im SPIEGEL-Archiv unter:
www.spiegel.de/spiegel/print/d-42787456.html

Im Jahre 2012, 40 Jahre nach Erscheinen des genannten SPIEGEL-Artikels, wurde das darin beschriebene, von Präsident Wilson versiegelte Geheimdokument der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Ergebnis: Es bestätigten sich die 1972 von den englischen Journalisten aufgestellten Thesen! Die Lusitania beförderte in der Tat z.B. über 4000 Kisten Kriegsmunition („Cartridges“, von uns hier grün umrandet), wie folgender Ausschnitt aus dem 2012 veröffentlichten Geheimdokument zeigt der SPIEGEL-Artikel von 1972 hat also nichts von seiner Aktualität und Richtigkeit verloren:

lusitania_cargo

Im Jahre 2008 bargen Taucher Kriegsmunition aus dem Wrack der Lusitania:

SONY DSC

Interview (Video): „Kaiser Wilhelm II. – Politisch unkorrekte Korrekturen eines Zerrbildes“

Der Historiker und Journalist Jan von Flocken  (geb. 1954) gibt in einem umfangreichen Video-Interview seine Deutung der Wilhelminischen Epoche zum Besten. Dabei korrigiert er viele weitverbreitete Verzerrungen und Einseitigkeiten in unserem Geschichtsbild und widerlegt zahlreiche der gängigen Vorwürfe gegenüber Wilhelm II.

Das Video erfreut sich auf YouTube bereits großer Beliebtheit. Prädikat „Sehenswert!“

 

Bernhard Dernburg (1914): „Deutschland und England – das eigentliche Problem“

Bernhard Dernburg, Bankier und deutscher Kolonialbeauftragter, verfaßte im November 1914 für die amerikanische Wochenzeitung The Saturday Evening Post einen ausführlichen, bemerkenswerten Artikel. Darin legte er den amerikanischen Lesern die Ursachen des kurz zuvor begonnenen Ersten Weltkrieges aus deutscher Sicht dar.

Dernburg sah als Hauptursache der deutsch-englischen Entfremdung vor dem Kriege insbesondere den Aufschwung der deutschen Industrie. „Es war nicht Deutschlands Militarismus, den England fürchtete, sondern den deutschen Handel und Handelsverkehr“. Der Krieg sei nunmehr die willkommene Gelegenheit für England, den größten wirtschaftlichen Konkurrenten auszuschalten.

Wir bringen auf www.wilhelm-der-zweite.de einen Ausschnitt des Artikels in deutscher Übersetzung:
www.wilhelm-der-zweite.de/essays/dernburg.php

„The Epochal Consequences of Woodrow Wilson’s War“

Der Erste Weltkrieg gilt einem bekannten Bonmot zufolge als „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts.“ Dieser Einschätzung ist vollauf zuzustimmen! Vor allem das Ende des Weltkrieges mit dem (von den USA ermöglichten) Siegfrieden der Alliierten und der bolschewistischen Revolution in Rußland stellten die Weichen für die Katastrophen der kommenden Jahrzehnte.

Doch wer trägt dafür die Verantwortung? Wer hat diese Entwicklung in Gang gesetzt?
Der deutsche Kaiser Wilhelm II.?
Der US-amerikanische Publizist und Finanzexperte David Stockman (u.a. vormaliger Berater von Ronald Reagan und Ex-Mitglied des Repräsentantenhauses) meint den wahren Schuldigen gefunden zu haben: Woodrow Wilson  der Mann, der die USA in den Ersten Weltkrieg verwickelte.

Lesen Sie den Beitrag von David Stockman auf dessen Web-Journal David Stockman’s Contra Corner:
http://davidstockmanscontracorner.com/the-epochal-consequences-of-woodrow-wilsons-war/

DVD-Empfehlung: „1914 – Die letzten Tage vor dem Weltbrand“ (1930/2014)

Im Sommer dieses Jahres erschien das 1930 gedrehte Dokumentarspiel „1914 – Die letzten Tage vor dem Weltbrand“ erstmals auf DVD.

Der gut eineinhalbstündige Spielfilm mit den bekanntesten Schauspielern der Weimarer Republik (u.a. Heinrich George) dokumentiert die Julikrise in Form eines spannenden Kammerspiels. Grundlage für das Drehbuch bildete das 1928 erschienene Buch „Die kritischen 39 Tage“ von Dr. Eugen Fischer, das die komplexen Ursachen für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges umfassend nach dem damaligen Forschungsstand untersuchte. Einen besonderen Schwerpunkt bildeten dabei die Vorgänge am Zarenhof.
In der NS-Zeit wurde der Film aufgrund des jüdischen Regisseurs Richard Oswald verrissen und galt als „unerwünscht“.

Der Film wurde digital restauriert, kommt mit einem aufwendig gestalteten 24seitigen Beiheft und eignet sich ideal auch als Weihnachtsgeschenk für geschichtlich Interessierte.

Mehr Infos und Bestellmöglichkeit: Weiterleitung zu Amazon

Stefan Scheils „Mitten im Frieden überfallt uns der Feind“ jetzt erhältlich

Bereits Ende August hatten wir das Erscheinen des neuen Buchs des Historikers Dr. Stefan Scheil „Mitten im Frieden überfällt uns der Feind“ angekündigt. Inzwischen ist das großartige Buch erhältlich und kann nur wärmstens empfohlen werden.

Scheil weist aufgrund zahlreicher Quellen aus den 1920er Jahren nach, daß die Entente gezielt auf den Krieg mit Deutschland hingearbeitet hatte und daß somit bereits damals die wenige Jahre zuvor im Versailler Vertrag behauptete Alleinschuld Deutschlands am Kriegsausbruch widerlegt worden war  eine Tatsache, die danach freilich zunehmend in Vergessenheit geriet.

Weitere Informationen finden Sie unter:
www.manuscriptum.de/landt-verlag/buecher/neuerscheinungen/titel/stefan-scheil-mitten-im-frieden-ueberfaellt-uns-der-feind/

Der nächste Knaller: „The Darkest Days“ von Douglas Newton

„Clark zum Quadrat“  so überschreibt die Wochenzeitung Junge Freiheit in der Ausgabe 42/2014 die Besprechung des neuen Buches des australischen Historikers Douglas Newton.
Der Autor stellt in seinem Werk die jahrzehntelang landauf landab in Schulen und Medien gepredigte Version vom selbstlosen britischen Eintritt in den 1. Weltkrieg in Frage. Newton schildert die Auseinandersetzung zwischen Friedenspartei und Kriegspartei innerhalb des britischen Machtzirkels in der Julikrise 1914. Die Kriegspartei unter Außenminister Edward Grey und Seelord Winston Churchill tat mit kräftiger Unterstützung  der Unterstaatssekretäre Arthur Nicholson und des berüchtigten Eyre Crowe alles, um Großbritannien in den Krieg gegen die Mittelmächte zu treiben.

Fazit: „Eine Handvoll Männer wollte den Krieg“  und bekam ihn.

Sie können das Buch hier bestellen:
www.buch.de/shop/buecher/mehrvonartikel/the_darkest_days_the_truth_behind_britain_s_rush_to_war_1914/douglas_newton/ISBN1-78168-350-6/ID37899129.html

Heute vor 100 Jahren: Aufruf deutscher Intellektueller

Genau heute vor 100 Jahren, am 4. Oktober 1914, veröffentlichten 93 renommierte deutsche Wissenschaftler, Künstler und Schriftsteller ihren gemeinsamen „Aufruf an die Kulturwelt“.
Der Aufruf, an dem sich so bekannte Persönlichkeiten wie Max Planck, Max Reinhardt, Max Liebermann und die Nobelpreisträger Gerhart Hauptmann, Rudolf EuckenConrad Röntgen, Emil von Behring, Emil Fischer, Wilhelm Wien und Paul Ehrlich beteiligten, ging als „Manifest der 93“ in die Geschichte ein. Mehrere der Unterzeichner waren Juden.
Die Intellektuellen wandten sich in ihrem Aufruf gegen die zunehmend aggressive alliierte Kriegspropaganda, die die Deutschen als „Hunnen“ und „Kulturverächter“ stilisierte.

Der Wortlaut des Manifests:

An die Kulturwelt! Ein Aufruf.

Wir als Vertreter deutscher Wissenschaft und Kultur erheben vor der gesamten Kulturwelt Protest gegen die Lügen und Verleumdungen, mit denen unsere Feinde Deutschlands reine Sache in dem ihm aufgezwungenen schweren Daseinskampfe zu beschmutzen trachten. Der eherne Mund der Ereignisse hat die Ausstreuung erdichteter deutscher Niederlagen widerlegt. Um so eifriger arbeitet man jetzt mit Entstellungen und Verdächtigungen. Gegen sie erheben wir laut unsere Stimme. Sie soll die Verkünderin der Wahrheit sein.

Es ist nicht wahr, daß Deutschland diesen Krieg verschuldet hat. Weder das Volk hat ihn gewollt noch die Regierung noch der Kaiser. Von deutscher Seite ist das Äußerste geschehen, ihn abzuwenden. Dafür liegen der Welt die urkundlichen Beweise vor. Oft genug hat Wilhelm II. in den 26 Jahren seiner Regierung sich als Schirmherr des Weltfriedens erwiesen; oft genug haben selbst unsere Gegner dies anerkannt. Ja, dieser nämliche Kaiser, den sie jetzt einen Attila zu nennen wagen, ist jahrzehntelang wegen seiner unerschütterlichen Friedensliebe von ihnen verspottet worden. Erst als eine schon lange an den Grenzen lauernde Übermacht von drei Seiten über unser Volk herfiel, hat es sich erhoben wie ein Mann.

Es ist nicht wahr, daß wir freventlich die Neutralität Belgiens verletzt haben. Nachweislich waren Frankreich und England zu ihrer Verletzung entschlossen [siehe dazu z.B. Christopher Clarks „Schlafwandler“]. Nachweislich war Belgien damit einverstanden. Selbstvernichtung wäre es gewesen, ihnen nicht zuvorzukommen.

Es ist nicht wahr, daß eines einzigen belgischen Bürgers Leben und Eigentum von unseren Soldaten angetastet worden ist, ohne daß die bitterste Notwehr es gebot. Denn wieder und immer wieder, allen Mahnungen zum Trotz, hat die Bevölkerung sie aus dem Hinterhalt beschossen, Verwundete verstümmelt, Ärzte bei der Ausübung ihres Samariterwerkes ermordet. Man kann nicht niederträchtiger fälschen, als wenn man die Verbrechen dieser Meuchelmörder verschweigt, um die gerechte Strafe, die sie erlitten haben, den Deutschen zum Verbrechen zu machen.

Es ist nicht wahr, daß unsere Truppen brutal gegen [die belgische Stadt] Löwen gewütet haben. An einer rasenden Einwohnerschaft, die sie im Quartier heimtückisch überfiel, haben sie durch Beschießung eines Teils der Stadt schweren Herzens Vergeltung üben müssen. Der größte Teil von Löwen ist erhalten geblieben. Das berühmte Rathaus steht gänzlich unversehrt. Mit Selbstaufopferung haben unsere Soldaten es vor den Flammen bewahrt. – Sollten in diesem furchtbaren Kriege Kunstwerke zerstört worden sein oder noch zerstört werden, so würde jeder Deutsche es beklagen. Aber so wenig wir uns in der Liebe zur Kunst von irgend jemand übertreffen lassen, so entschieden lehnen wir es ab, die Erhaltung eines Kunstwerks mit einer deutschen Niederlage zu erkaufen.

Es ist nicht wahr, daß unsere Kriegführung die Gesetze des Völkerrechts mißachtet. Sie kennt keine zuchtlose Grausamkeit. Im Osten aber tränkt das Blut der von russischen Horden hingeschlachteten Frauen und Kinder die Erde, und im Westen zerreißen Dumdumgeschosse unseren Kriegern die Brust. Sich als Verteidiger europäischer Zivilisation zu gebärden, haben die am wenigsten das Recht, die sich mit Russen und Serben verbünden und der Welt das schmachvolle Schauspiel bieten, Mongolen und Neger auf die weiße Rasse zu hetzen [ein heute sicher verstörendes Argument, das aber im Kontext der damaligen Kolonialzeit gesehen werden muß; alle Kolonialherrscher, also auch England oder Frankreich, sahen sich als die wahren, fortgeschrittenen Träger der Zivilisation; es war gemeinhin üblich, diese Länder unter dem Begriff „Weiße Rasse“ zusammenzufassen. Der Vorwurf der Intellektuellen nach damaliger Leseart soll bedeuten, daß sich die Ententemächte nicht scheuten, den Krieg nicht auf Europa zu begrenzen, sondern sogar Kämpfer aus ihren Kolonien gegen den „Kulturstandort“ Europa einzusetzen; Kämpfer mit anderem kulturellen Hintergrund, die sich womöglich an die Haager Landkriegsordnung – im damaligen Bewußtsein eine Errungenschaft der europäischen Zivilisation – nicht gebunden fühlten.].

Es ist nicht wahr, daß der Kampf gegen unseren sogenannten Militarismus kein Kampf gegen unsere Kultur ist, wie unsere Feinde heuchlerisch vorgeben. Ohne den deutschen Militarismus wäre die deutsche Kultur längst vom Erdboden getilgt. Zu ihrem Schutz ist er aus ihr hervorgegangen in einem Lande, das jahrhundertelang von Raubzügen heimgesucht wurde wie kein zweites. Deutsches Heer und deutsches Volk sind eins. Dieses Bewußtsein verbrüdert heute 70 Millionen Deutsche ohne Unterschied der Bildung, des Standes und der Partei.

Wir können die vergifteten Waffen der Lüge unseren Feinden nicht entwinden. Wir können nur in alle Welt hinausrufen, daß sie falsches Zeugnis ablegen wider uns. Euch, die Ihr uns kennt, die Ihr bisher gemeinsam mit uns den höchsten Besitz der Menschheit gehütet habt, Euch rufen wir zu:
Glaubt uns! Glaubt, daß wir diesen Kampf zu Ende kämpfen werden als ein Kulturvolk, dem das Vermächtnis eines Goethe, eines Beethoven, eines Kant ebenso heilig ist wie sein Herd und seine Scholle.
Dafür stehen wir Euch ein mit unserem Namen und mit unserer Ehre!“